Dinahrie Koschka: “Am Anfang verstand ich kein Wort”

Waldkirchen. Bevor die Philippinin Dinahrie Koschka nach Deutschland kam, war sie felsenfest davon überzeugt, dass ihre Englischkenntnisse vollkommen ausreichen würden, um sich in ihrer neuen Heimat verständigen zu können. Schließlich sei Englisch neben der Muttersprache Tagalog sozusagen die zweite Muttersprache auf den Philippinen. Und das werde woanders auf der Welt bestimmt ähnlich sein, dachte sich die 32-Jährige. Außerdem, erzählt sie lachend, habe sie ja zwei Sätze gekonnt: „Ich habe Durst“ und „Ich habe Hunger“. Damit werde man ja wohl in einem fremden Land überleben.

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Dinahrie Koschka bei der Auftaktveranstaltung des vhs-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ am 17. Juli 2012 im Landratsamt. Fotos: Dinahrie Koschka.

Mittlerweile spricht Dinahrie Koschka fließend Deutsch

„Aber als ich dann in Deutschland war und nach ein paar Tagen ins Krankenhaus musste, habe ich zu meinem Entsetzen festgestellt, dass dem nicht so ist“, räumt Dinahrie Koschka ein. „Die Ärzte haben zwar verstanden, was ich ihnen auf Englisch mitgeteilt habe, doch geantwortet haben sie immer in Deutsch – und ich verstand kein Wort.“

SAM_1068Also machte sie sich gemeinsam mit ihrem deutschen Mann auf die Suche nach einem geeigneten Sprachkurs. Koschka landete schließlich bei einem Integrationskurs der VHS in Waldkirchen. Da sie damals in Passau wohnten und Dinahrie Koschka noch keine Fahrerlaubnis für Deutschland besaß, musste ihr Mann sie jeden Tag hinbringen. Aber es hat sich gelohnt: Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch.

Nur mit dem bayerischen Dialekt habe sie so ihre Schwierigkeiten, erzählt Dinahrie Koschka. „Und wenn ich die Leute dann bitte, Hochdeutsch mit mir zu sprechen, sagen sie meistens nur: ‚Kann i net!‘ – und reden trotzdem bayerisch mit mir.“

Rund sieben Jahre ist es nun her, dass sie ihren Mann kennenlernte. Dinahrie Koschka ist Grundschullehrerin und unterrichtete damals auf der philippinischen Insel Cebu. Als sie mal wieder ihre Familie in Butuan City besuchen wollte, begegnete sie ihrem künftigen Partner auf der Schiffsreise. „Meine Cousine und ich saßen im Restaurant und dort lernten wir Alois kennen. Der hatte aber nur Augen für meine Cousine“, lacht Koschka rückblickend. „Es spielte auch eine Band. Also habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt mein Lieblingslied für ihn singen werde. Das hat ihn nicht wirklich interessiert, er hat sich weiterhin angeregt mit meiner Cousine unterhalten. Aber als ich anfing zu singen, hat er sich langsam umgedreht.“ Von da an ging es relativ schnell. Ein Jahr später heirateten die beiden.

“In Deutschland ist mein Diplom als Grundschullehrerin nichts wert”

Seit über sechs Jahren wohnt sie nun mit ihrem Mann in Bayern und fühlt sich, wie sie betont, pudelwohl. Von Anfang an sang sie mit ihrem Mann in der Band „Die Bajuwaren“ mit. Nachdem sie bei den Bajuwaren aufhörten, gründeten die beiden das Duo namens „Salt and Pepper“. „Das mit den Bands ist einfach toll“, schwärmt Dinahrie Koschka. „Endlich sehe ich etwas von der Welt, weil wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz unterwegs sind. Das wollte ich schon immer!“

Musik DinahrieAuf den Philippinen sang die Grundschullehrerin zwar auch schon in einer Band. Aber das Angebot, mit einer Band auf Japan-Tour zu gehen, musste sie leider ablehnen, weil ihre Mutter dagegen war. „Ich habe damals noch studiert und meine Mama hat gesagt: ´Sobald du deinen Abschluss hast, ist es mir egal, was du machst und wohin du gehst. Bis dahin bleibst du hier!´ Und was hat mir mein Diplom gebracht? Hier in Deutschland ist es nichts wert.“

Dinahrie Koschka müsste ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin noch einmal komplett wiederholen, um an einer deutschen Grundschule unterrichten zu dürfen. In Deutschland eine Arbeit zu finden, ist für die Philippinin, die neben ihrem Studium als Radiojournalistin arbeitete, schwer. Auch im Arbeitsamt findet man für sie keine geeignete Stelle. „Ich kann noch nicht mal als Kellnerin oder Kassiererin im Supermarkt anfangen, weil alle dafür eine Ausbildung erwarten“, sagt sie frustriert. Zumindest kann sie an der vhs Englischkurse geben.

Trotzdem gefällt es Dinahrie Koschka in Bayern. Ihre Familie fehle ihr zwar, aber gegen das Heimweh helfe Skype, Facebook und eine Telefon-Flatrate. Und außerdem sei sie hier sehr glücklich. Nicht nur, weil sie mit ihrem Mann zusammen sein könne, sondern auch weil das Leben in Deutschland an sich besser sei. „Wir können meistens kaufen, was wir haben wollen. Auf den Philippinen hingegen sind sehr viele Leute arm. Die Touristen sehen immer nur das Meer, die weißen Strände und das gute Essen. Für die Einwohner ist das jedoch nicht die Realität.“

“Philippiner sind optimistischer als die Deutschen!”

Und überhaupt sei es in Deutschland so angenehm ruhig, meint sie. Das falle ihr immer wieder auf, wenn sie zu Besuch auf den Philippinen sei. „Meine Familie sagt dann oft: `Du redest so leise, wir verstehen dich nicht!´ Dabei rede nicht ich leise, sondern die anderen einfach zu laut! Die reden nicht mehr, die schreien schon! Weil jeder immer sofort etwas sagen will, müsse man lauter sein als die anderen, damit man einen versteht. Ich halte mir wirklich oft die Ohren zu!“

Dinahrie - VhsAndererseits wären die Philippiner sehr viel optimistischer, würden viel mehr lachen als die Deutschen – und das trotz Armut und Naturkatastrophen wie Taifune. „Hier begegne ich oft Freunden, die ein ernstes Gesicht aufsetzen, nur weil sie keinen Termin mehr beim Friseur bekommen haben.“ Über solche Kleinigkeiten würde man sich auf den Philippinen nie aufregen. Selbst wenn sie gerade nicht wüssten, von welchem Geld sie sich etwas zu essen kaufen sollten, machten sich die Philippiner deswegen nicht verrückt. „Warum auch?“, fragt Dinahrie Koschka. „Das Problem löst sich ja nicht in Luft auf, nur weil ich mich ärgere!“

Irgendwann wird das Ehepaar seinen Wohnsitz auf die Philippinen verlegen. Dann, wenn Dinahrie Koschkas Ehemann in Rente geht. In Butuan City, dort wo Dinahrie Koschkas Familie lebt, hat ihr Mann bereits ein Häuschen gebaut. Dort wohnen sie schon jetzt, wenn sie die Verwandten besuchen. „Das ist auf langer Sicht billiger, als jedes Mal ein Hotel zu buchen“, erklärt Dinahrie Koschka. Und nicht nur das: „Mein Vater wohnt auch in unserem Haus. Alois hat das an einer höher gelegenen Stelle von Butuan City errichtet. So konnte auch der schlimme Taifun Haiyan meiner Familie nichts anhaben. Dafür bin ich meinem Mann wirklich sehr dankbar!“

Dike Attenbrunner