“Boxen war meine Rettung!”

Schönberg. „Die Kommunisten führten ihn mit verbundenen Augen vor eine Mauer. Dann stellten sie sich vor ihm auf, legten die Gewehre an und feuerten drauflos. Mein Vater brach am Boden zusammen. Tot war er nicht. Die Kommunisten zielten absichtlich daneben, sie wollten ihn zermürben und zum Reden bringen. Mein Vater wurde jedes Mal wieder in seine Zelle zurückgebracht. 40 Mal ging das so.“

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In Momcilo Mellens Augen schimmern die Tränen als er die Geschichte seines Vaters erzählt. Der 64-jährige stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Mellens Vater war im zweiten Weltkrieg von den Kommunisten verhaftet worden, weil er für den königstreuen Widerstand eine Funkstation betrieb.

Boxen war die Rettung

Als sein Vater endlich wieder heim durfte, war er ein gebrochener Mann. Er trank und schlug die Familie. Irgendwann hielt seine Mutter es nicht mehr aus, sie trennte sich von ihrem Mann und ging mit einem anderen nach Frankreich. Momcilo blieb als Einziger zurück. Der damals 13-Jährige musste wieder zum gewalttätigen Vater ziehen. Seine Schwester verließ das Land ebenfalls, sein Bruder blieb zwar, hatte aber eine eigene Wohnung.

Mit der neuen Frau des Vaters war kein Auskommen, schlagen lassen wollte er sich auch nicht mehr, also trieb er sich mit anderen Altersgenossen auf der Straße herum und versuchte, irgendwie zu überleben. Bis dahin war er immer ein sehr guter Schüler gewesen.  Doch den Vater kümmerte die Bildung seines Sprösslings wenig. Als sich der wendige Halbwüchsige mal wieder prügelte, entdeckte ihn ein Boxtrainer.

Es dauerte kein halbes Jahr, da war Momcilo schon Stammboxer der Jugendmannschaft des Erstligisten Radnicki aus Kragujevac.  „Mein Trainer hat immer gesagt, ich würde zuschlagen wie ein Halbschwergewichtler!“ Mit 18 heiratete er bereits seine erste Frau, kurz darauf wurde seine Tochter geboren. Doch das Familienglück währte nicht lange: Der Vereinsvorsitzende von Radnicki versprach jedem seiner Boxer 2.000.000 Dinaren, falls sie die Meisterschaft gewinnen würden. Viel Geld. Auch für Mellen und seine junge Frau, die sonst nicht viel besaßen. Sie setzten alles auf eine Karte, schlossen einen kleinen Kredit ab und schafften Möbel und einen Fernseher an. Der Plan ging auf: Kragujevac wurde Landesmeister. Doch die Boxer bekamen nur einen Betrag von 500.000 Dinaren ausgezahlt.

Die Gefängnisinsel “Goli Otok”

Mellen bekam Probleme mit der Stasi. Zwischen ihm und dem Vereinsvorsitzenden, der gleichzeitig Chef der Stasi war, entbrannte eine heftige Diskussion. „Das ist eine typisch kommunistische Vorgehensweise! Erst etwas versprechen und dann nicht halten!“ Das habe ich dem damals an den Kopf geschmissen. Die Antwort kam rasch: „Du wirst für das, was du gesagt hast, bitter bereuen. Ich kenne dich und deinen Vater kenne ich ganz besonders gut. Mit dem bin ich auch schon fertig geworden!“ Wenig später, nur ein paar Tage nach der Geburt seiner Tochter, kamen zwei Männer in dicken schwarzen Mänteln und führten ihn in Handschellen ab.

Ohne Gerichtsurteil wurde Mellen auf die Gefängnisinsel „Goli Otok“ gebracht, wo sich eine der schlimmsten Zuchthäuser Jugoslawiens befand. Goli Otok bedeutet „nackte Insel“, so genannt, weil sich dort nur Steine befanden. Die Männer mussten ununterbrochen schuften und Steine klopfen, wer nicht mehr konnte oder nicht parierte, wurde von den Gefängniswärtern teils schwer misshandelt. „Die Gefangenen sollten seelisch und körperlich gebrochen werden“, erzählt Mellen und verzieht das Gesicht bei all den Erinnerungen.

Im Gegensatz zu vielen anderen hatte er Glück: Er konnte sich mit den Fäusten verteidigen, wenn ihm einer der anderen Insassen zu Nahe kam – und seine junge Frau sorgte mit einer Bitte an den Innenminister dafür, dass er die Insel wieder verlassen durfte.

Die Flucht nach Deutschland

Als Boxer war er ob seines Talents nach wie vor in seiner Heimatstadt gefragt. In einem Land, in dem man willkürlich ohne juristisches Verfahren ins Gefängnis gesteckt werden durfte, wollte er dennoch nicht mehr leben. Während der Europameisterschaft 1970 in Ungarn suchte er den Kontakt zur deutschen Mannschaft und lernte Werner Schäfer kennen, Boxer im Federgewicht aus Mülheim an der Ruhr. Er machte ihm verständlich, dass er nach Deutschland wolle.

Zwei Jahre später gelang ihm die Flucht, als die italienische Nationalmannschaft das jugoslawische Team zu einem Freundschaftskampf eingeladen hatte. Über die Schweiz gelangte er nach Deutschland. Er trat dem Bundesligisten Ring Frei Mülheim, dem auch Schäfer angehörte, bei. Man ließ seine Frau und seine Tochter nachkommen, besorgte ein Visum und sorgte für einen Arbeitsplatz.

Er lernte Deutsch, machte unter anderem eine Ausbildung als Kranführer, Schlosser und Schweißer. Mit dem Boxen lief es ebenso gut. Mit dem, was er verdiente, unterstützte er auch seine Familienangehörigen. Mitte der Siebziger lernte er dann seine zweite Frau kennen – und der geborene Vasiljevic nahm deren deutschen Namen Mellen an. 1980 wurde er eingebürgert.

Der Krieg in Jugoslawien

Die Boxkarriere von Mellen endete mit 28 Jahren. „Nach 14 Jahren Boxen und 220 ausgetragenen Kämpfen, war ich froh und stolz zugleich, dass ich noch nie durch einen Knockout einen Kampf verloren hatte.“ Stattdessen stürzte er sich in die Arbeit, meist auch am Wochenende. Er stieg zum Betriebsleiter auf, renovierte das Haus in dem seine Frau und er wohnten – und merkte schnell: „Irgendetwas stimmt nicht mit mir.“ Die Diagnose: Schilddrüsen-Krebs.  Am Ende sollten es 26 Bestrahlungen und sechs Radiojodtherapien werden. Er überstand sie alle und zog mit seiner Frau in ein neues Haus nach Moers.

1990 begann der Krieg in Jugoslawien, eine schreckliche Zeit für Mellen, dessen Familie nach wie vor dort wohnte. „Also haben meine Frau und ich überlegt, was wir neben einer finanziellen Unterstützung noch tun können.“ Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kauften die beiden ein Haus in Ungarn, nahe der Grenze, damit die Familie sie ungehindert besuchen konnte. Und er arbeitete weiter. Mehrere Schlaganfälle folgten aufeinander. 1996 verließ er die Firma, in der er zuletzt gearbeitet hatte, mit einem Aufhebungsvertrag und zog mit seiner Frau nach Schönberg. Dort trat er der CSU bei und wurde sogleich Ausländerbeauftragter. In dieser Funktion begleitete er viele Menschen auf ihrem Weg in die Integration. Er wollte das, was Deutschland ihm gegeben und ermöglicht hatte, an andere weitergeben.

Als Heilpraktiker schlug er, geprägt von seinen eigenen Krankheitsgeschichten, selbst wiederum beruflich einen neuen Weg ein. „Mit 64 fühle ich mich noch zu jung für ein Rentnerdasein!“ Auch politisch engagiert Mellen sich weiterhin, als Integrationsbeauftragter für die CSU im Landkreis, „weil ich auch in ganz Deutschland herzlich aufgenommen worden bin!“

Dike Attenbrunner

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Myriam

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Myriam.

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Die 15-jährige Schülerin aus Spiegelau, die drei Geschwister hat, besucht derzeit die Realschule Grafenau. Bei DART ist sie deshalb so gerne, weil die Band verschiedene Kulturen vereint.

Myriam im Interview:

Tamina, was gefällt Dir an Deutschland?

Die Demokratie, die Landschaft und die Menschen.

IMG_9493 (1024x683)Was ist denn typisch Deutsch für Dich?

Das Oktoberfest.

Was gefällt Dir am meisten an “DART”?

Die Band vereint verschiedene Kulturen.

Was bedeutet Musik für Dich?

Alles! Ich liebe Musik einfach, und unsere Band auch.

Sind die Deutschen tolerant und aufgeschlossen?

Ja.

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Tamina Reda

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Tamina Reda.

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Die 16-jährige Schülerin aus Deutschland, die eine Schwester hat, besucht derzeit die Realschule Grafenau. Bei DART ist sie deshalb so gerne, weil sie das Singen über alles liebt.

Tamina Reda im Interview:

Tamina, was gefällt Dir an Deutschland?

Die Demokratie! Und dass wir viele tolle Sehenswürdigkeiten haben.

IMG_9492 (1024x683)Was ist denn typisch Deutsch für Dich?

Das Oktoberfest.

Was gefällt Dir am meisten an “DART”?

Dass hier Jugendliche aus verschiedenen Kulturen Musik miteinander machen.

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet alles für mich.

Sind die Deutschen tolerant und aufgeschlossen?

Nicht alle, aber die meisten.

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Steffi Lila

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Steffi Lila.

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Steffi Lila: Musik drück für mich Gefühle aus. Fotos: vhs

Die 17-jährige Schülerin besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Das Toleranzgefühl innerhalb der Band gefalle ihr am besten, so die Deutsche, die zwei Geschwister hat.

Steffi Lila im Interview:

Steffi, was gefällt Dir an Deutschland?

Dass es eine repräsentative Demokratie ist.

IMG_9495 (683x1024)Was ist typisch Deutsch für Dich?

Das Oktoberfest.

Was könnten die Deutschen von einer anderen Kultur lernen?

Jeder glaubt etwas anderes und jeder hat eine eigene Einstellung zum Leben.

Was gefällt Dir an DART?

Die Toleranz innerhalb der Band und, dass wir oft gemeinsam einfach etwas miteinander unternehmen.

Die Band zeigt ziemlich gut, dass es auch funktionieren kann, wenn man mit Leuten aus verschiedenen Herkunftsländern etwas plant. Und natürlich gehe ich ziemlich gerne in die Band, da es immer interessant ist, mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik drückt für mich Gefühle und Emotionen aus. Durch Musik fühlt man sich frei und an nichts gebunden oder zu etwas gezwungen.

Sind die Deutschen Deiner Meinung nach tolerant und aufgeschlossen?

Die meisten schon, ja.

Im Kurzporträt: DART-Musiker Qais Esaqzi

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Qais Esaqzi, der große Bruder von Wais Rezai, der aus seiner Heimat Afghanistan unter anderem die Pauke „Tabla“ mitgebracht hat.

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Leidenschaftlicher Trommler: Qais Esaqzi aus Afghanistan. Fotos: vhs

Der 17-jährige Schüler besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Gemeinsam mit seinen Eltern und den beiden Brüdern kam Qais vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.

Qais Esaqzi im Interview:

Qais, warum bist Du mit Deiner Familie nach Deutschland gekommen?

Wegen der gefährlichen Situation in Afghanistan.

Was gefällt Dir denn an Deutschland?

Alles!

Was ist typisch Deutsch für Dich?

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Der 17-Jährige hat seine Pauke “Tabla” aus Afghanistan mitgenommen.

Die typischen Deutschen sind in meinen Augen sehr nette Leute.

Was könnten die Deutschen von Deiner Kultur lernen?

Sie könnten meine Pauke “Tabla” kennenlernen.

Was gefällt Dir an DART?

Einfach alles!

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet für mich alles im Leben.

Sind die Deutschen Deiner Meinung nach tolerant und aufgeschlossen?

Ja.

Dinahrie Koschka: “Am Anfang verstand ich kein Wort”

Waldkirchen. Bevor die Philippinin Dinahrie Koschka nach Deutschland kam, war sie felsenfest davon überzeugt, dass ihre Englischkenntnisse vollkommen ausreichen würden, um sich in ihrer neuen Heimat verständigen zu können. Schließlich sei Englisch neben der Muttersprache Tagalog sozusagen die zweite Muttersprache auf den Philippinen. Und das werde woanders auf der Welt bestimmt ähnlich sein, dachte sich die 32-Jährige. Außerdem, erzählt sie lachend, habe sie ja zwei Sätze gekonnt: „Ich habe Durst“ und „Ich habe Hunger“. Damit werde man ja wohl in einem fremden Land überleben.

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Dinahrie Koschka bei der Auftaktveranstaltung des vhs-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ am 17. Juli 2012 im Landratsamt. Fotos: Dinahrie Koschka.

Mittlerweile spricht Dinahrie Koschka fließend Deutsch

„Aber als ich dann in Deutschland war und nach ein paar Tagen ins Krankenhaus musste, habe ich zu meinem Entsetzen festgestellt, dass dem nicht so ist“, räumt Dinahrie Koschka ein. „Die Ärzte haben zwar verstanden, was ich ihnen auf Englisch mitgeteilt habe, doch geantwortet haben sie immer in Deutsch – und ich verstand kein Wort.“

SAM_1068Also machte sie sich gemeinsam mit ihrem deutschen Mann auf die Suche nach einem geeigneten Sprachkurs. Koschka landete schließlich bei einem Integrationskurs der VHS in Waldkirchen. Da sie damals in Passau wohnten und Dinahrie Koschka noch keine Fahrerlaubnis für Deutschland besaß, musste ihr Mann sie jeden Tag hinbringen. Aber es hat sich gelohnt: Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch.

Nur mit dem bayerischen Dialekt habe sie so ihre Schwierigkeiten, erzählt Dinahrie Koschka. „Und wenn ich die Leute dann bitte, Hochdeutsch mit mir zu sprechen, sagen sie meistens nur: ‚Kann i net!‘ – und reden trotzdem bayerisch mit mir.“

Rund sieben Jahre ist es nun her, dass sie ihren Mann kennenlernte. Dinahrie Koschka ist Grundschullehrerin und unterrichtete damals auf der philippinischen Insel Cebu. Als sie mal wieder ihre Familie in Butuan City besuchen wollte, begegnete sie ihrem künftigen Partner auf der Schiffsreise. „Meine Cousine und ich saßen im Restaurant und dort lernten wir Alois kennen. Der hatte aber nur Augen für meine Cousine“, lacht Koschka rückblickend. „Es spielte auch eine Band. Also habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt mein Lieblingslied für ihn singen werde. Das hat ihn nicht wirklich interessiert, er hat sich weiterhin angeregt mit meiner Cousine unterhalten. Aber als ich anfing zu singen, hat er sich langsam umgedreht.“ Von da an ging es relativ schnell. Ein Jahr später heirateten die beiden.

“In Deutschland ist mein Diplom als Grundschullehrerin nichts wert”

Seit über sechs Jahren wohnt sie nun mit ihrem Mann in Bayern und fühlt sich, wie sie betont, pudelwohl. Von Anfang an sang sie mit ihrem Mann in der Band „Die Bajuwaren“ mit. Nachdem sie bei den Bajuwaren aufhörten, gründeten die beiden das Duo namens „Salt and Pepper“. „Das mit den Bands ist einfach toll“, schwärmt Dinahrie Koschka. „Endlich sehe ich etwas von der Welt, weil wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz unterwegs sind. Das wollte ich schon immer!“

Musik DinahrieAuf den Philippinen sang die Grundschullehrerin zwar auch schon in einer Band. Aber das Angebot, mit einer Band auf Japan-Tour zu gehen, musste sie leider ablehnen, weil ihre Mutter dagegen war. „Ich habe damals noch studiert und meine Mama hat gesagt: ´Sobald du deinen Abschluss hast, ist es mir egal, was du machst und wohin du gehst. Bis dahin bleibst du hier!´ Und was hat mir mein Diplom gebracht? Hier in Deutschland ist es nichts wert.“

Dinahrie Koschka müsste ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin noch einmal komplett wiederholen, um an einer deutschen Grundschule unterrichten zu dürfen. In Deutschland eine Arbeit zu finden, ist für die Philippinin, die neben ihrem Studium als Radiojournalistin arbeitete, schwer. Auch im Arbeitsamt findet man für sie keine geeignete Stelle. „Ich kann noch nicht mal als Kellnerin oder Kassiererin im Supermarkt anfangen, weil alle dafür eine Ausbildung erwarten“, sagt sie frustriert. Zumindest kann sie an der vhs Englischkurse geben.

Trotzdem gefällt es Dinahrie Koschka in Bayern. Ihre Familie fehle ihr zwar, aber gegen das Heimweh helfe Skype, Facebook und eine Telefon-Flatrate. Und außerdem sei sie hier sehr glücklich. Nicht nur, weil sie mit ihrem Mann zusammen sein könne, sondern auch weil das Leben in Deutschland an sich besser sei. „Wir können meistens kaufen, was wir haben wollen. Auf den Philippinen hingegen sind sehr viele Leute arm. Die Touristen sehen immer nur das Meer, die weißen Strände und das gute Essen. Für die Einwohner ist das jedoch nicht die Realität.“

“Philippiner sind optimistischer als die Deutschen!”

Und überhaupt sei es in Deutschland so angenehm ruhig, meint sie. Das falle ihr immer wieder auf, wenn sie zu Besuch auf den Philippinen sei. „Meine Familie sagt dann oft: `Du redest so leise, wir verstehen dich nicht!´ Dabei rede nicht ich leise, sondern die anderen einfach zu laut! Die reden nicht mehr, die schreien schon! Weil jeder immer sofort etwas sagen will, müsse man lauter sein als die anderen, damit man einen versteht. Ich halte mir wirklich oft die Ohren zu!“

Dinahrie - VhsAndererseits wären die Philippiner sehr viel optimistischer, würden viel mehr lachen als die Deutschen – und das trotz Armut und Naturkatastrophen wie Taifune. „Hier begegne ich oft Freunden, die ein ernstes Gesicht aufsetzen, nur weil sie keinen Termin mehr beim Friseur bekommen haben.“ Über solche Kleinigkeiten würde man sich auf den Philippinen nie aufregen. Selbst wenn sie gerade nicht wüssten, von welchem Geld sie sich etwas zu essen kaufen sollten, machten sich die Philippiner deswegen nicht verrückt. „Warum auch?“, fragt Dinahrie Koschka. „Das Problem löst sich ja nicht in Luft auf, nur weil ich mich ärgere!“

Irgendwann wird das Ehepaar seinen Wohnsitz auf die Philippinen verlegen. Dann, wenn Dinahrie Koschkas Ehemann in Rente geht. In Butuan City, dort wo Dinahrie Koschkas Familie lebt, hat ihr Mann bereits ein Häuschen gebaut. Dort wohnen sie schon jetzt, wenn sie die Verwandten besuchen. „Das ist auf langer Sicht billiger, als jedes Mal ein Hotel zu buchen“, erklärt Dinahrie Koschka. Und nicht nur das: „Mein Vater wohnt auch in unserem Haus. Alois hat das an einer höher gelegenen Stelle von Butuan City errichtet. So konnte auch der schlimme Taifun Haiyan meiner Familie nichts anhaben. Dafür bin ich meinem Mann wirklich sehr dankbar!“

Dike Attenbrunner

Im Kurzporträt: DART-Musiker Wais Rezai

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Wais Rezai, der aus seiner Heimat Afghanistan unter anderem die 15-saitige Langhalslaute „Robab“ mitgebracht hat.

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Wais Rezai und seine 15-saitige Langhalslaute „Robab“. Fotos: vhs

Der 15-jährige Schüler besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Gemeinsam mit seinen Eltern und den beiden Brüdern kam Wais vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.

Wais Rezai im Interview:

Wais, warum bist Du mit Deiner Familie nach Deutschland gekommen?

Wegen der schwierigen Lage in Afghanistan.

Was gefällt Dir denn an Deutschland?

Alles!

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Der 15-Jährige freut sich über die Band DART: “Hier ist einfach alles toll!”

Was ist typisch Deutsch für Dich?

Dass die Leute hier alle so nett und freundlich sind. Sie sind meistens tolerant und aufgeschlossen. Ich hoffe, meine Familie und ich dürfen hier bleiben.

Was könnten die Deutschen von Deiner Kultur lernen?

Sie könnten zum Beispiel mein Instrument, die 15-saitige Langhalslaute „Robab“, kennenlernen. Das ist das Instrument, das ich auch bei DART spiele.

Was gefällt Dir denn am meisten an DART?

Einfach alles!

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet für mich alles im Leben.

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Alina Bersinsch

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Alina Bersinsch.

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Alina: “Am meisten gefällt mir an DART, dass ich einfach singen und Spaß haben kann!” Fotos: vhs

Die 12-jährige Schülerin besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Ihre Eltern kommen aus Kasachstan. Geboren und aufgewachsen sind Alina und ihre beiden Geschwister jedoch in Deutschland.

Die Sängerin im Interview:

Alina, was gefällt Dir an Deutschland?

Die Natur.

Was gefällt Dir denn an der Heimat deiner Eltern?

Hm. So genau kann ich das gar nicht sagen. Auf jeden Fall ist sie cool und schön!

Was ist typisch deutsch für Dich?

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Musik bedeutet alles für die 12-Jährige.

Lederhosen und Bier.

Was könnten die Deutschen denn von der Kultur Deiner Eltern lernen?

Ich finde vor allem die Häuser in Kasachstan sehr schön. Alle Häuser haben verschiedene Dächer. Das macht die Welt bunter.

Was gefällt Dir am meisten an DART?

Dass ich einfach singen und Spaß haben kann!

Was bedeutet Musik für Dich?

Alles!

Sind die Deutschen Deiner Meinung nach tolerant und aufgeschlossen?

Ja.

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Nadine Hartinger

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Den Anfang macht Sängerin Nadine Hartinger.

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Nadine Hartinger singt für ihr Leben gern und findet ihre Band richtig cool! Fotos: vhs

Die 13-jährige Schülerin besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau und hat zwei Geschwister. Die Deutsche interessiert sich für Fremdsprachen und findet ihre Band richtig cool.

Die Sängerin im Interview:

Nadine, was gefällt Dir an Deutschland?

Ich finde, dass die meisten Menschen in Deutschland Ausländern gegenüber aufgeschlossen sind.

Was ist typisch deutsch für Dich?

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Nadine kann nicht nur gut singen, sondern auch wunderbar zeichnen!

Der bayerische Dialekt. Und in der Lederhose Bier trinken.

Was gefällt Dir am meisten an DART?

Die Harmonie unter den Mitgliedern und die Musikmischung.

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik ist einfach etwas Besonderes! Wenn ich zum Beispiel mal traurig bin, muntert sie mich wieder auf.

Sind die Deutschen tolerant und aufgeschlossen?

Ja.

Coming soon: die multikulturelle Rockband “DART” im Porträt

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Diese wurde von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet.

IMG_9703 (1024x683)Der Name der Band ist eine Kombination aus den Anfangsbuchstaben der Herkunftsländer der Mitglieder: Deutschland, Afghanistan, Russland und Tschechien. DART steht aber auch für “Die Anderen – Respekt und Toleranz” – und ist somit als Gruppe für weitere Mitglieder stets offen.

In Kürze werden die Bandmitglieder in Kurzporträts vorgestellt

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Frauenpower: Alina Bersinsch (v.l.), Tamina Reda, Steffi Lila, Myriam und Nadine Hartinger.

Jede Woche treffen sich die neun Bandmitglieder an der Propst-Seyberer-Mittelschule Grafenau, um für bevorstehende Auftritte zu üben. Dabei haben nicht nur die Jugendlichen, sondern auch ihr Bandleader Bojko sehr viel Spaß. „Es ist wirklich eine Bereicherung, gemeinsam mit jungen Menschen musikalisch zu experimentieren und von ihren unterschiedlichen kulturellen Einflüssen zu lernen“, so der Musiker.

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Der musikalische Leiter Christian Balboo Bojko mit den beiden afghanischen Brüdern Qais Esaqzi (links) und Wais Rezai (rechts).

Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts.