Im Kurzporträt: DART-Sängerin Tamina Reda

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Tamina Reda.

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Die 16-jährige Schülerin aus Deutschland, die eine Schwester hat, besucht derzeit die Realschule Grafenau. Bei DART ist sie deshalb so gerne, weil sie das Singen über alles liebt.

Tamina Reda im Interview:

Tamina, was gefällt Dir an Deutschland?

Die Demokratie! Und dass wir viele tolle Sehenswürdigkeiten haben.

IMG_9492 (1024x683)Was ist denn typisch Deutsch für Dich?

Das Oktoberfest.

Was gefällt Dir am meisten an “DART”?

Dass hier Jugendliche aus verschiedenen Kulturen Musik miteinander machen.

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet alles für mich.

Sind die Deutschen tolerant und aufgeschlossen?

Nicht alle, aber die meisten.

tun.starthilfe für Flüchtlinge im Landkreis Eichstätt

Eichstätt. Die Initiative “tun.starthilfe für flüchtlinge im Landkreis Eichstätt” sieht in der Sprache die Grundbedingung gesellschaftlicher Teilhabe und ermöglicht Flüchtlingen im Landkreis deshalb den Zugang zur deutschen Sprache. Wie das Projekt zustande kam und wer alles mitmachen kann, darüber haben wir uns mit Karolina Albrecht unterhalten.

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Weitere Infos gibt es auf der Homepage von “tun.starthilfe für flüchtlinge”: www.tun-starthilfe.de

Wer steckt hinter der Initiative von Live for Life e. V.? Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, diese Initiative zu gründen?

Live for Life e.V. wurde im März 2009 in Eichstätt mit einer simplen Idee gegründet: Die Welt verbessern als Schüler oder Student, sprich mit knappen Mitteln. Der Verein sollte eine Basis, eine Plattform für alle Gleichgesinnten werden, die im Austausch untereinander Benefizaktionen planen und durchführen wollen. Der Erlös daraus sollte einem gemeinsam gewählten Projekt zu Gute kommen. Die Tatsache, dass man seine Hobbys und Interessen, innerhalb eines Netzwerkes voller Gleichgesinnter, dazu verwenden kann anderen Menschen zu helfen, ist das was die Live for Life Idee auszeichnet. Man stellt diese Tätigkeit in einen Kontext, man baut ein Netzwerk auf, steht im Idealfall ständig in Kontakt und führt unentwegt neue Leute in diese Plattform ein.

Ein Teil von Live for Life e.V. ist die Initiative tun.starthilfe für flüchtlinge im landkreis eichstätt. Gegründet wurde die Initiative im Oktober 2012 von Deborah Foth, Christopher Knoll und Anna Peschke. Sie wurden durch den öffentlichen Diskurs, vor allem auch in der Lokalzeitung Donaukurier, auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Obereichstätt und damit auf die Flüchtlingsthematik aufmerksam. Durch den Kontakt zu den Sozialarbeitern der Caritas wurde relativ schnell klar, woran es fehlte: Deutschunterricht.

Der erste Kontakt mit Flüchtlingen kam über die Initiative in Pfünz, wo die ersten dezentral untergebrachten Flüchtlinge wohnten. Diese nahmen das Angebot gerne an. Und so wurde eine erste Deutschstunde im Studihaus der KU Eichstätt abgehalten. Durch Flyer an der Uni wurden auch andere Studenten auf die Initiative aufmerksam und engagierten sich als Deutschlehrer.

Durch infrastrukturelle Probleme kam allmählich die Idee, den Unterricht in die Ortschaften selbst zu verlegen. Das allerdings erforderte Strukturen und finanzielle Unterstützung. So kam auch die Idee mit Live for Life auf. Die Verbindung kam über Andreas Wurtinger zustande, dem Gründer von Live for Life e.V., denn mit tun.starthilfe ist es dem Verein nun möglich, ein örtliches Projekt zu unterstützen.

Daneben wurde tun.starthilfe als Arbeitskreis des Studentischen Konvents an der KU Eichstätt-Ingolstadt verankert und ist seit Oktober 2013 ein studentisches Freimodul im Rahmen von „EduCulture“.

Herzstück der Initiative ist der Deutschunterricht

Wie viele Freiwillige beteiligen sich denn mittlerweile an dieser Bürgerinitiative?

Zum Wintersemester 13/14 stieg die Zahl der Engagierten sprungartig auf 66 Modulteilnehmer und etwa 10 Freiwillige an. Dazu kam die zweiwöchige Frühlingssprachschule, innerhalb derer sich etwa 50 Helfer aus Eichstätt und den umliegenden Ortschaften und ehemalige Modulteilnehmer ehrenamtlich betätigten.

Durch viele Aktionen im letzten halben Jahr, konnte auch die Bekanntheit der Initiative stark erhöht werden, sodass in diesem Semester 98 Modulteilnehmer angemeldet sind. Dazu kommen etwa 50 Freiwillige, sowohl Studenten, wie auch Berufstätige, die bereits im letzten Semester mitgearbeitet haben oder durch die Frühlingsschule auf die Initiative aufmerksam wurden.

Welche Angebote gibt es?  

Das Herzstück der Initiative ist der Deutschunterricht. Einmal wöchentlich fährt ein zweiköpfiges Lehrerteam in „ihre“ Unterkunft und gibt Unterricht. An einem anderen Tag fahren dann zwei Mitglieder der individuellen Betreuer zu ihnen und unterstützen in den kleinen und großen Alltagsproblemen. Alle anderen Bereiche sind dazu da, den Lehrern die Arbeit zu erleichtern, sowie Finanzierung, Aufklärung aller Beteiligten und Hilfe zur Selbsthilfe zu sichern.

Darüber hinaus hat die Initiative den Anspruch, alle Beteiligten aufzuklären. Das heißt konkret: Informationsveranstaltungen für Flüchtlinge, Gemeinden/ Nachbarschaft, Landkreis, Institutionen und andere Initiativen, aber auch die Vernetzung untereinander, wie die Teilnahme an Ehrenamtstreffen usw.

In der vorlesungsfreien Zeit (März und August) findet außerdem eine zweiwöchige Sprachschule statt. Morgens mit Unterricht und Kinderprogramm und nachmittags mit gemeinsamen Aktivitäten, bei denen sich Helfer und Teilnehmer besser kennenlernen.

Und wie wird das Projekt finanziert?

Die Finanzierung des Projekts erfolgt in erster Linie durch Veranstaltungen und Events. Weder tun.starthilfe noch der Live for Life e.V. wollen ein reiner Spendenverein sein, sondern aktiv etwas tun, um die Finanzierung zu sichern. Das Konzept, durch Benefizveranstaltungen Geld für das Projekt zu verdienen, gab es von Beginn an. Beispielsweise durch Kuchenverkauf an der Uni, Parties oder Privatinitiativen.

Aber auch Eichstätter Firmen, Fachschaften oder Privatinitiativen unterstützen das Projekt.

“Engagement muss von innen kommen – dann ist man auch motiviert”

Die Helfer bekommen kein Geld, es werden keine festen Stellen installiert. Warum nicht?

Alle Helfer, egal ob Modulteilnehmer, Freiwillige oder Koordinationsteam arbeiten in erster Linie ehrenamtlich. Als Modulteilnehmer ist es aber möglich, sich einmalig ein Semester innerhalb der Initiative als Wahlfach anrechnen zu lassen. Die Deutschlehrer wie auch die individuellen Begleiter bekommen allerdings die Fahrtkosten in die Unterkünfte erstattet.

Der Grundgedanke ist der, dass Engagement von innen kommen muss. Wer sich selbst mit der Initiative identifizieren kann und freiwillig Verantwortung übernimmt, ist auch motiviert. Deshalb braucht es keine zusätzliche monetäre Motivation. Die große Anzahl der Teilnehmer bestätigt das.

Warum ist das Projekt Eurer Meinung nach so erfolgreich? Ist dieses Modell überall umsetzbar?

Das Projekt zeigt deutlich, dass sich Studenten gerne gesellschaftlich einbringen. Das geht ebenso über studentische Arbeitskreise oder Stiftungen, ist jedoch generell durch den straffen Zeitplan des Bologna-Systems schwierig umzusetzen. Einige sind hinsichtlich einer langfristigen Übernahme von Verantwortung skeptisch: Werde ich neben dem Studium genug Zeit haben? Was, wenn die Prüfungszeit anfängt? Kann jemand im Notfall für mich einspringen und was ist während der Semesterferien? tun.starthilfe ermöglicht als Wahlfach die Einbindung von sozialem Engagement in den Studienplan.

Die Hauptarbeit erfolgt während des Semesters und wird in den Ferien teilweise ausgesetzt. Der Erfolg liegt darin, dass die meisten (im letzten Semester 50 von 60) im kommenden Semester vollkommen ehrenamtlich weitermachen. Und das, weil sie die Möglichkeit erhalten haben, im Rahmen eines Wahlfachs die Arbeit kennenzulernen und festzustellen, dass ehrenamtliche Arbeit Mehrwert für alle Seiten besitzt und auch neben dem Studium möglich ist. Man hilft und kann gleichzeitig selbst vieles dazulernen.

Durch die Integration sowohl in Universität, wie auch Stadt und Landkreis, profitieren alle Seiten. Die Uni wächst in die Gesellschaft hinein und die in vielen Universitätsstädten übliche Einteilung von Bürgern und Studenten verschwimmt.

Derzeit wird daran gearbeitet, das Konzept der Initiative soweit zu dokumentieren, dass auch andere Universitäten auf diese Erfahrungen zurückgreifen können.

Wie kann man sich einbringen und wer kann denn alles mitmachen?

Mitmachen kann jeder. Egal ob Student, Berufstätiger, Schüler oder Rentner. Zur Auswahl stehen vier Bereiche:

1.Deutschunterricht:
Zweier-Teams unterrichten einmal wöchentlich bei den Leuten vor Ort für etwa eineinhalb Stunden. Lehrer können praktisch unbegrenzt teilnehmen, da der Unterricht auch mehrmals in der Woche stattfinden sollte. Neben einer Einführung in die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache, stehen den Deutschlehrern viele Materialien und Ansprechpartner zur Verfügung.

2. Individuelle Begleiter:
Sie fahren, ebenso wie die Deutschlehrer,einmal wöchentlich zu zweit in „ihre“ Unterkunft. Sie helfen beispielsweise bei der Übersetzung amtlicher Schreiben, Arztterminen oder Behördengängen, suchen nach Freizeitangeboten und sind die Schnittstelle zwischen der Initiative und den ehrenamtlichen Helfern vor Ort.

3.Organisation:
Dazu gehört die Finanzierung der Arbeit, ebenso wie die Organisation von Events und Informationsveranstaltungen. Darüber hinaus ist sie zuständig für die Vernetzung zwischen Initiative, Ehrenamtlichen außerhalb, Universität, Landkreis und Gemeinden. Aber auch die Organisation und Durchführung der Sprachschulen ist in die Organisation eingebunden.

4.Kommunikation:
Das Team ist zuständig für die interne und externe Kommunikation. Es betreut die offizielle Website, den monatlichen Newsletter, die Facebookseiten und Journalistenkontakte. Die Teammitglieder verfolgen außerdem die Berichterstattung über die Initiative.

Im Kurzporträt: DART-Sängerin Steffi Lila

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Sängerin Steffi Lila.

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Steffi Lila: Musik drück für mich Gefühle aus. Fotos: vhs

Die 17-jährige Schülerin besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Das Toleranzgefühl innerhalb der Band gefalle ihr am besten, so die Deutsche, die zwei Geschwister hat.

Steffi Lila im Interview:

Steffi, was gefällt Dir an Deutschland?

Dass es eine repräsentative Demokratie ist.

IMG_9495 (683x1024)Was ist typisch Deutsch für Dich?

Das Oktoberfest.

Was könnten die Deutschen von einer anderen Kultur lernen?

Jeder glaubt etwas anderes und jeder hat eine eigene Einstellung zum Leben.

Was gefällt Dir an DART?

Die Toleranz innerhalb der Band und, dass wir oft gemeinsam einfach etwas miteinander unternehmen.

Die Band zeigt ziemlich gut, dass es auch funktionieren kann, wenn man mit Leuten aus verschiedenen Herkunftsländern etwas plant. Und natürlich gehe ich ziemlich gerne in die Band, da es immer interessant ist, mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik drückt für mich Gefühle und Emotionen aus. Durch Musik fühlt man sich frei und an nichts gebunden oder zu etwas gezwungen.

Sind die Deutschen Deiner Meinung nach tolerant und aufgeschlossen?

Die meisten schon, ja.

Arbeit – Fertig – Los!

Waldkirchen. Unter dem Titel „Arbeit – Fertig – Los“ fand am vergangenen Freitag im Bürgerhaus der Stadt Waldkirchen anlässlich des Weltfrauentags eine Informationsveranstaltung statt, bei der verschiedene Arbeitgeber und Unternehmen aus dem Landkreis berufliche Chancen für Jugendliche, Frauen und Männer präsentierten.

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Alle Beteiligten erhielten zum Dank eine Blume. Fotos: Franz Hintermann

An den 13 Informationsständen konnten dabei Einblicke in die Arbeitsrealitäten, Informationen zu den Berufen und ein Überblick zur Aus- und Weiterbildung gewonnen werden. Für die Eltern stand derweil eine Kinderbetreuung zur Verfügung, die von den Besuchern gerne genutzt wurde. Etwa 100 Interessierte waren gekommen, um sich zu informieren und den anschließenden Kabarettabend von Gerti Gehr zu folgen.

Bayerisches Kabarett von Gerti Gehr brachte Publikum zum Lachen

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Die Fotoausstellung “Frauen mit Leidenschaft” von Franz Hintermann.

Die bayerische Kabarettistin aus Lindberg brachte das Publikum mit ihrem eigens für die Veranstaltung zum Weltfrauentag erstellten Programm „weiblich = 150% emotional intelligent – männlich = ?“ zum Lachen.

Kaffee, Kuchen – und die Fotoausstellung „Frauen mit Leidenschaft“ des Fotografen Franz Hintermann aus Waldkirchen sorgten außerdem für angenehme Pausen zwischen den Programmpunkten.

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Kabarettistin Gerti Gehr (links) und die Gleichstellungsbeauftragte Gertraud Seidel.

Für die Volkshochschule, die Gleichstellungsstelle des Landratsamts, das Jobcenter und die Kreisbibliothek des Landkreises Freyung-Grafenau, die den Abend gemeinsam organisiert hatten, war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Mitgemacht haben: die Rosenium GmbH, Berufsfachschule für Altenpflege Grafenau, Caritas Seniorenheime, FRG-Service-GmbH, Wolfsteiner Werkstätten Freyung, Technologie Campus Freyung, Landratsamt Freyung-Grafenau, Aptar Freyung GmbH, Arcadia Hotel Sonnenhof Grafenau, Bayerische Polizei Passau, Berufsfachschule für Tourismusmanagement Grafenau, Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau, Berufsfachschule für Kinderpflege Grafenau

„Frauen klettern an die Spitze, Männer fahren mit der Seilbahn“

Grafenau. „Vor über 100 Jahren hätte ich als Frau hier nicht öffentlich reden dürfen. Das war verboten.“ Mit diesen Worten eröffnete Gertraud Seidl, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Freyung-Grafenau, die Podiumsdiskussion zur Stellung von Frauen in Beruf, Politik und Familie in der Tschechischen Republik sowie in Deutschland. Im Rahmen des XENOS-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ hatten die Volkshochschule, die Gleichstellungsstelle des Landratsamtes, das Jobcenter und die Kreisbibliothek den Weltfrauentag am 8. März zum Anlass genommen, um mit einer Veranstaltungsreihe auf die immer noch währende weltweite Benachteiligung von Frauen aufmerksam zu machen.

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Bei der Podiumsdiskussion unter Leitung von Gertraud Seidel (3. von rechts) wurde lebhaft über die Stellung der Frau diskutiert. Fotos: Franz Hintermann

Sensibilisierung der Bevölkerung in der Grenzregion

Zum Diskussionsthema „Chancen für Frauen grenzenlos“ waren nicht nur etliche weibliche, sondern auch männliche Zuhörer im Grafenauer Rathaus erschienen – auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Grafenau, Martin Hartmann, ließ es sich nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen, ebenso wie die stellvertretende Landrätin Renate Cerny. Beide wiesen darauf hin, wie wichtig eine gemeinsame Veranstaltung von tschechischen und deutschen Frauen gerade in Bezug auf die Sensibilisierung der Bevölkerung in der Grenzregion sei.

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Impulsreferat von Selma Keck, die an der Realschule Grafenau Tschechisch unterrichtet.

Passend zum Thema gab es zunächst ein Impulsreferat von Selma Keck, die an der Realschule Grafenau Tschechisch unterrichtet. Zur Stellung der Frau in der heutigen tschechischen Gesellschaft wurde ausgeführt, dass die Beschäftigung der Frauen mit über 56 % hoch ist und in der letzten Wahlperiode drei Ministerinnen im Amt waren.

Anschließend wurde der Kurzfilm „Grenzenlose Freundschaft“ des Gymnasiums Freyung gezeigt, der vergangenes Jahr beim Filmwettbewerb der vhs sowohl für die „Beste Idee“ als auch für den „Besten Film“ ausgezeichnet worden war. Der Beitrag handelt von der Integration einer tschechischen Gastschülerin und zeigt dem Zuschauer auf, wie irrational manche Ängste und Vorurteile oftmals sind.

“Frauen klettern an die Spitze, Männer fahren mit der Seilbahn”

Den umgekehrten Weg schlug Hanna Zintel ein: Die Studentin hatte im Rahmen ihres Studiums ein Auslandspraktikum in Tschechien absolviert.

Gemeinsam mit der Immobilienmaklerin Hanna Adámková, der Dolmetscherin Ivana Bošinová, Vendula Maihorn von EUROPE DIRECT und der Vereinsvorsitzenden von „wild&weiblich“, Roswitha Prasser, bereicherte sie das Podium, das von der Gleichstellungsbeauftragten Getraud Seidl moderiert wurde.

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Die Teilnehmerinnen waren sich zwar nicht immer einig, wohl aber in diesem Punkt: Sowohl in Deutschland als auch in Tschechien müssen Frauen für die gleiche Anerkennung im Job bislang noch mehr leisten als Männer. Auch wenn das möglicherweise eine Generationenfrage sein könnte. Wie Hanna Zintel beispielsweise bei der Diskussion um die Einführung einer Frauenquote anmerkte, seien junge Frauen heutzutage selbstbewusster. Und diese Frauen würden lieber auf Grund ihrer Qualifikationen als wegen einer Quote eingestellt werden.

Multikulturelle Rockband “DART” und Fotoausstellung “Frauen mit Leidenschaft”

Dennoch: „Frauen müssen an die Spitze klettern, Männer fahren mit der Seilbahn“, konstatierte Moderatorin Gertraud Seidl am Ende des Abends. Auch wenn viele Dinge dieser Tage für Frauen selbstverständlich seien und bereits viel erreicht worden wäre, sollten Frauen Gleichberechtigung nicht für eine Selbstverständlichkeit halten. Chancengleichheit sei nicht in allen Bereichen gegeben, so Seidl, und mancherorts wünsche man sich durchaus noch die ein oder andere Frauenstimme mehr.

Zum Beispiel in der Politik: „Im Kreistag des Landkreises Freyung-Grafenau werden nur zehn Prozent von Frauen gestellt!“ Das sei doch ein guter Grund, bei den anstehenden Wahlen verstärkt Frauen zu wählen, meinte denn auch die stellvertretende Landrätin Renate Cerny.

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Die multikulturelle Rockband “DART”

Musikalisch wurde die Veranstaltung von der multikulturellen Rockband DART (Die Anderen – Respekt und Toleranz) umrahmt. Die Schülerband wurde von der vhs und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko ebenfalls im Rahmen des XENOS-Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet und kann jederzeit für soziale Veranstaltungen gebucht werden, die Integration, Vielfalt und Toleranz in den Mittelpunkt stellen.

Bebildert wurde der Abend mit der Fotoausstellung „Frauen mit Leidenschaft“ von Franz Hintermann. Wer die Porträts noch nicht gesehen hat, hat dazu übrigens am kommenden Donnerstag,  13. März um 19.30 Uhr bei der Veranstaltung „Der Weltfrauentag danach“ im Kunstraum Schmiedgasse in Waldkirchen die Gelegenheit.

 

Gleiche Bildung, gleiche Rechte?

Vor mehr als 100 Jahren forderten Frauen gleiche Bildung, gleiche Rechte und finanzielle Unabhängigkeit. Was für viele Mädchen und junge Frauen heutzutage selbstverständlich ist, mussten ihre Mütter und Großmütter hart erkämpfen – so wie das Wahlrecht für Frauen oder das Recht auf eigene Erwerbsarbeit. Am 8. März findet daher seit jeher der Internationale Frauentag statt, um auf Ungleichbehandlungen von Frauen aufmerksam zu machen.

Veranstaltungsreihe „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ zum Internationalen Frauentag

Auch die Volkshochschule, die Gleichstellungsstelle des Landratsamtes, das Jobcenter und die Kreisbibliothek des Landkreises Freyung-Grafenau haben den Weltfrauentag in diesem Jahr zum Anlass genommen, um mit einer Veranstaltungsreihe vom 7. bis 11. März auf die immer noch währende weltweite Benachteiligung von Frauen aufmerksam zu machen.

flyerDen Auftakt bildet am Freitag, 7. März, ab 17 Uhr die Veranstaltung mit dem Titel „Arbeit – Fertig – Los“ im Bürgerhaus der Stadt Waldkirchen. Verschiedene Arbeitgeber und Unternehmen aus dem Landkreis präsentieren berufliche Chancen für Jugendliche, Frauen und Männer. An den Informationsständen können Einblicke in die Arbeitsrealitäten, Informationen zu den Berufen und ein Überblick zur Aus- und Weiterbildung gewonnen werden. Anschließend erfolgt um 19 Uhr der Auftritt der bayerischen Kabarettistin Gerti Gehr aus Lindberg zum Thema: weiblich = 150 % emotional intelligent – männlich = (?). Der Eintritt ist frei, es gibt Kaffee und Kuchen – und von 17 bis 19:30 Uhr ist außerdem für eine Kinderbetreuung gesorgt.

Bei einer Podiumsdiskussion zur Stellung von Frauen in Beruf, Politik und Familie in der Tschechischen Republik sowie in Deutschland am Samstag, 8. März, 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Grafenau wird das Thema „Chancen für Frauen grenzenlos“ in den Mittelpunkt gestellt. Während der Veranstaltung wird auch der Xenos-Kurzfilm mit dem Titel „Grenzenlose Freundschaft“ vorgeführt, bei dem es um die Diskriminierung einer tschechischen Austauschschülerin geht. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der multikulturellen Rockgruppe DART (Die Anderen – Respekt und Toleranz). Auch hierzu ist der Eintritt frei und ein kleiner Imbiss erhältlich.

Fotoausstellung “Frauen mit Leidenschaft”

„We want Sex“ – so heißt der Kinofilm, der schließlich am Dienstag, 11. März, um 19 Uhr im Cineplex Freyung gezeigt wird. Ein auf Tatsachen basierender Spielfilm über den Arbeitskampf und die Emanzipationsbewegung in den 60er Jahren in England. Der ermäßigte Eintritt kostet 5 Euro. Im Anschluss findet für Interessierte eine Diskussion im Gasthof zur Post in Freyung statt.

Bei allen drei Veranstaltungen wird der Fotograf Franz Hintermann seine Fotoausstellung mit dem Titel „Frauen mit Leidenschaft“ präsentieren.

Wer noch mehr wissen oder sich anmelden möchte, kann dies bei der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau tun. Entweder unter der Tel.  08552/96650 oder per Email unter info@vhs-freyung-grafenau.de

Im Kurzporträt: DART-Musiker Qais Esaqzi

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Qais Esaqzi, der große Bruder von Wais Rezai, der aus seiner Heimat Afghanistan unter anderem die Pauke „Tabla“ mitgebracht hat.

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Leidenschaftlicher Trommler: Qais Esaqzi aus Afghanistan. Fotos: vhs

Der 17-jährige Schüler besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Gemeinsam mit seinen Eltern und den beiden Brüdern kam Qais vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.

Qais Esaqzi im Interview:

Qais, warum bist Du mit Deiner Familie nach Deutschland gekommen?

Wegen der gefährlichen Situation in Afghanistan.

Was gefällt Dir denn an Deutschland?

Alles!

Was ist typisch Deutsch für Dich?

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Der 17-Jährige hat seine Pauke “Tabla” aus Afghanistan mitgenommen.

Die typischen Deutschen sind in meinen Augen sehr nette Leute.

Was könnten die Deutschen von Deiner Kultur lernen?

Sie könnten meine Pauke “Tabla” kennenlernen.

Was gefällt Dir an DART?

Einfach alles!

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet für mich alles im Leben.

Sind die Deutschen Deiner Meinung nach tolerant und aufgeschlossen?

Ja.

Dinahrie Koschka: “Am Anfang verstand ich kein Wort”

Waldkirchen. Bevor die Philippinin Dinahrie Koschka nach Deutschland kam, war sie felsenfest davon überzeugt, dass ihre Englischkenntnisse vollkommen ausreichen würden, um sich in ihrer neuen Heimat verständigen zu können. Schließlich sei Englisch neben der Muttersprache Tagalog sozusagen die zweite Muttersprache auf den Philippinen. Und das werde woanders auf der Welt bestimmt ähnlich sein, dachte sich die 32-Jährige. Außerdem, erzählt sie lachend, habe sie ja zwei Sätze gekonnt: „Ich habe Durst“ und „Ich habe Hunger“. Damit werde man ja wohl in einem fremden Land überleben.

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Dinahrie Koschka bei der Auftaktveranstaltung des vhs-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ am 17. Juli 2012 im Landratsamt. Fotos: Dinahrie Koschka.

Mittlerweile spricht Dinahrie Koschka fließend Deutsch

„Aber als ich dann in Deutschland war und nach ein paar Tagen ins Krankenhaus musste, habe ich zu meinem Entsetzen festgestellt, dass dem nicht so ist“, räumt Dinahrie Koschka ein. „Die Ärzte haben zwar verstanden, was ich ihnen auf Englisch mitgeteilt habe, doch geantwortet haben sie immer in Deutsch – und ich verstand kein Wort.“

SAM_1068Also machte sie sich gemeinsam mit ihrem deutschen Mann auf die Suche nach einem geeigneten Sprachkurs. Koschka landete schließlich bei einem Integrationskurs der VHS in Waldkirchen. Da sie damals in Passau wohnten und Dinahrie Koschka noch keine Fahrerlaubnis für Deutschland besaß, musste ihr Mann sie jeden Tag hinbringen. Aber es hat sich gelohnt: Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch.

Nur mit dem bayerischen Dialekt habe sie so ihre Schwierigkeiten, erzählt Dinahrie Koschka. „Und wenn ich die Leute dann bitte, Hochdeutsch mit mir zu sprechen, sagen sie meistens nur: ‚Kann i net!‘ – und reden trotzdem bayerisch mit mir.“

Rund sieben Jahre ist es nun her, dass sie ihren Mann kennenlernte. Dinahrie Koschka ist Grundschullehrerin und unterrichtete damals auf der philippinischen Insel Cebu. Als sie mal wieder ihre Familie in Butuan City besuchen wollte, begegnete sie ihrem künftigen Partner auf der Schiffsreise. „Meine Cousine und ich saßen im Restaurant und dort lernten wir Alois kennen. Der hatte aber nur Augen für meine Cousine“, lacht Koschka rückblickend. „Es spielte auch eine Band. Also habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt mein Lieblingslied für ihn singen werde. Das hat ihn nicht wirklich interessiert, er hat sich weiterhin angeregt mit meiner Cousine unterhalten. Aber als ich anfing zu singen, hat er sich langsam umgedreht.“ Von da an ging es relativ schnell. Ein Jahr später heirateten die beiden.

“In Deutschland ist mein Diplom als Grundschullehrerin nichts wert”

Seit über sechs Jahren wohnt sie nun mit ihrem Mann in Bayern und fühlt sich, wie sie betont, pudelwohl. Von Anfang an sang sie mit ihrem Mann in der Band „Die Bajuwaren“ mit. Nachdem sie bei den Bajuwaren aufhörten, gründeten die beiden das Duo namens „Salt and Pepper“. „Das mit den Bands ist einfach toll“, schwärmt Dinahrie Koschka. „Endlich sehe ich etwas von der Welt, weil wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz unterwegs sind. Das wollte ich schon immer!“

Musik DinahrieAuf den Philippinen sang die Grundschullehrerin zwar auch schon in einer Band. Aber das Angebot, mit einer Band auf Japan-Tour zu gehen, musste sie leider ablehnen, weil ihre Mutter dagegen war. „Ich habe damals noch studiert und meine Mama hat gesagt: ´Sobald du deinen Abschluss hast, ist es mir egal, was du machst und wohin du gehst. Bis dahin bleibst du hier!´ Und was hat mir mein Diplom gebracht? Hier in Deutschland ist es nichts wert.“

Dinahrie Koschka müsste ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin noch einmal komplett wiederholen, um an einer deutschen Grundschule unterrichten zu dürfen. In Deutschland eine Arbeit zu finden, ist für die Philippinin, die neben ihrem Studium als Radiojournalistin arbeitete, schwer. Auch im Arbeitsamt findet man für sie keine geeignete Stelle. „Ich kann noch nicht mal als Kellnerin oder Kassiererin im Supermarkt anfangen, weil alle dafür eine Ausbildung erwarten“, sagt sie frustriert. Zumindest kann sie an der vhs Englischkurse geben.

Trotzdem gefällt es Dinahrie Koschka in Bayern. Ihre Familie fehle ihr zwar, aber gegen das Heimweh helfe Skype, Facebook und eine Telefon-Flatrate. Und außerdem sei sie hier sehr glücklich. Nicht nur, weil sie mit ihrem Mann zusammen sein könne, sondern auch weil das Leben in Deutschland an sich besser sei. „Wir können meistens kaufen, was wir haben wollen. Auf den Philippinen hingegen sind sehr viele Leute arm. Die Touristen sehen immer nur das Meer, die weißen Strände und das gute Essen. Für die Einwohner ist das jedoch nicht die Realität.“

“Philippiner sind optimistischer als die Deutschen!”

Und überhaupt sei es in Deutschland so angenehm ruhig, meint sie. Das falle ihr immer wieder auf, wenn sie zu Besuch auf den Philippinen sei. „Meine Familie sagt dann oft: `Du redest so leise, wir verstehen dich nicht!´ Dabei rede nicht ich leise, sondern die anderen einfach zu laut! Die reden nicht mehr, die schreien schon! Weil jeder immer sofort etwas sagen will, müsse man lauter sein als die anderen, damit man einen versteht. Ich halte mir wirklich oft die Ohren zu!“

Dinahrie - VhsAndererseits wären die Philippiner sehr viel optimistischer, würden viel mehr lachen als die Deutschen – und das trotz Armut und Naturkatastrophen wie Taifune. „Hier begegne ich oft Freunden, die ein ernstes Gesicht aufsetzen, nur weil sie keinen Termin mehr beim Friseur bekommen haben.“ Über solche Kleinigkeiten würde man sich auf den Philippinen nie aufregen. Selbst wenn sie gerade nicht wüssten, von welchem Geld sie sich etwas zu essen kaufen sollten, machten sich die Philippiner deswegen nicht verrückt. „Warum auch?“, fragt Dinahrie Koschka. „Das Problem löst sich ja nicht in Luft auf, nur weil ich mich ärgere!“

Irgendwann wird das Ehepaar seinen Wohnsitz auf die Philippinen verlegen. Dann, wenn Dinahrie Koschkas Ehemann in Rente geht. In Butuan City, dort wo Dinahrie Koschkas Familie lebt, hat ihr Mann bereits ein Häuschen gebaut. Dort wohnen sie schon jetzt, wenn sie die Verwandten besuchen. „Das ist auf langer Sicht billiger, als jedes Mal ein Hotel zu buchen“, erklärt Dinahrie Koschka. Und nicht nur das: „Mein Vater wohnt auch in unserem Haus. Alois hat das an einer höher gelegenen Stelle von Butuan City errichtet. So konnte auch der schlimme Taifun Haiyan meiner Familie nichts anhaben. Dafür bin ich meinem Mann wirklich sehr dankbar!“

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Im Kurzporträt: DART-Musiker Wais Rezai

Grafenau. Wie kann man zeigen, dass unterschiedliche Kulturen einander bereichern können? Zum Beispiel, indem man eine multikulturelle Rockband gründet. So wie die Schülerband “DART”, die mit afghanischen Melodien, Deutschrock und Gänsehaut-Balladen überzeugt. Vor über einem Jahr wurde diese von der Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau und dem musikalischen Leiter Christian Balboo Bojko im Rahmen des Projekts “Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos” gegründet. Woher die Jungmusiker kommen – und wie die Musik sie verbindet, das zeigt die vhs in den kommenden Wochen in Kurzporträts. Dieses Mal im Interview: Wais Rezai, der aus seiner Heimat Afghanistan unter anderem die 15-saitige Langhalslaute „Robab“ mitgebracht hat.

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Wais Rezai und seine 15-saitige Langhalslaute „Robab“. Fotos: vhs

Der 15-jährige Schüler besucht derzeit die Propst-Seyberer-Mittelschule in Grafenau. Gemeinsam mit seinen Eltern und den beiden Brüdern kam Wais vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.

Wais Rezai im Interview:

Wais, warum bist Du mit Deiner Familie nach Deutschland gekommen?

Wegen der schwierigen Lage in Afghanistan.

Was gefällt Dir denn an Deutschland?

Alles!

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Der 15-Jährige freut sich über die Band DART: “Hier ist einfach alles toll!”

Was ist typisch Deutsch für Dich?

Dass die Leute hier alle so nett und freundlich sind. Sie sind meistens tolerant und aufgeschlossen. Ich hoffe, meine Familie und ich dürfen hier bleiben.

Was könnten die Deutschen von Deiner Kultur lernen?

Sie könnten zum Beispiel mein Instrument, die 15-saitige Langhalslaute „Robab“, kennenlernen. Das ist das Instrument, das ich auch bei DART spiele.

Was gefällt Dir denn am meisten an DART?

Einfach alles!

Was bedeutet Musik für Dich?

Musik bedeutet für mich alles im Leben.

Willkommenskultur: das Hamburg Welcome Center

Hamburg. Wo finde ich eine Wohnung und eine Schule für meine Kinder? Welche Versicherungen benötige ich und wo kann ich ein Bankkonto eröffnen? Gilt mein Führerschein auch in Deutschland? Und wo kann ich eigentlich einen Sprachkurs absolvieren? Kurzum: An wen wende ich mich, wenn ich in eine neue Stadt ziehe?

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Das Hamburg Welcome Center befindet sich im Gebäude der Handelskammer am Alten Wall 11. Fotos: FHH, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung.

Kernzielgruppe: Qualifizierte ausländische Zuwanderer

In Hamburg gibt es für solche Fragen seit April 2007 eine Anlaufstelle: das Hamburg Welcome Center (HWC). Hier werden kostenlos zahlreiche Informations- und Beratungsangebote aus den Bereichen „Zuwanderung/Einreise nach Hamburg“ sowie „Leben und Alltag in Hamburg“ zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise sollen Neubürger und Zuwanderer unterstützt und ihnen damit der Aufenthalt und das Einleben in den ersten Tagen und Wochen erleichtert werden.

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Am HWC kümmern sich 15 Mitarbeiter um die Belange von Neubürgern.

Dafür stehen der Institution 15 Mitarbeiter zur Verfügung. Dolmetscher gibt es nicht. In etwa 70 Prozent der Fälle werden die Gespräche allerdings in englischer Sprache und Schrift durchgeführt. Die Kernzielgruppe: qualifizierte ausländische Zuwanderer wie Fach- und Führungskräfte, Studierende und deren Partner.

Eine typische Situation im HWC sieht denn beispielsweise auch folgendermaßen aus, wie Leiterin Birte Steller schildert: „Ein argentinischer Ingenieur hat ein Jobangebot in Hamburg. Eine Wohnung hat ihm sein Arbeitgeber schon vermittelt, aber er hat keine Ahnung, welche Papiere er braucht, wie das deutsche Steuerrecht oder die Sozialversicherung geregelt sind. Er braucht ein Bankkonto, eine Versicherung, eben alles. Seine Frau und er suchen für die gemeinsame Tochter eine Schule, in der auch auf Spanisch unterrichtet wird. Sie fragt: Wo finde ich einen guten Deutschkurs? Wo kann ich selbst einen Job finden? Und wo treffen sich meine Landsleute in der Freizeit? In all solchen Fragen versuchen wir, entweder selbst eine Antwort zu finden oder unsere Kunden an geeignete Ansprechpartner zu vermitteln.“

Konsequente Umsetzung einer Willkommenskultur

Genau darin sieht Steller auch die konsequente Umsetzung einer Willkommenskultur:„Indem man das komplette Serviceangebot so gestaltet, dass es den unterschiedlichen Bedürfnissen der Zuwanderer tatsächlich entspricht. Ein Mensch, der in eine neue Stadt zieht und kaum Deutsch spricht, möchte nicht als Erstes die Paragraphen des Ausländerrechts zitiert bekommen.“

hwc1 Ganz wichtig sei dabei auch, dass Wertschätzung, insbesondere interkulturelle Kommunikationsfähigkeit, eine zentrale Voraussetzung für die Arbeit im HWC ist.

Das heißt jedoch nicht, dass sich das HWC nur an qualifizierte Zuwanderer richtet. „Wir begrüßen und beraten jeden, übrigens auch Deutsche“, betont Steller. „Wir fragen unsere Kunden nicht nach ihrem Hintergrund, sondern nach ihrem Bedarf. Auch Menschen, die schon länger in Hamburg leben, können unsere Beratung in Anspruch nehmen. Das so genannte hoheitliche Leistungsangebot, also die Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen und die Wohnsitzanmeldung sind allerdings EU-Bürgerinnen und –Bürgern und so genannten Drittstaatsangehörigen vorbehalten. Zuständigkeitshalber können wir auch nicht Erteilungen für Personen, die aus Gründen der Notmigration nach Deutschland kommen, also Flüchtlinge, anbieten.“

Wie kann das “Gute Ankommen” in der Stadt optimiert werden?

Das Angebot des HWCs, das aus dem Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert wird, wird ausgesprochen gut angenommen.

hwc2Mehr als 6.500 Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz wurden 2012 bearbeitet und zusätzlich fanden im selben Jahr monatlich an die 2.000 Kundenkontakte statt. Ähnliche Konzepte wie die des HWC gibt es übrigens auch in Dresden und auf Landesebene in Thüringen und Hessen. Ein Austausch zwischen den Instituten findet jedoch bislang noch nicht statt. In unregelmäßigen Abständen wird das HWC aber von interessierten Städten und weiteren Institutionen um Vorstellung seiner Arbeit gebeten.

Und auch die Hamburger sind stets darum bemüht, das HWC weiterzuentwickeln. „Ich denke, wir sind mit dem HWC auf einem guten Weg“, so Steller. „Dennoch fragen wir uns immer, wie wir das ´Gute Ankommen` in unserer Stadt und insbesondere die Integration in den Arbeitsmarkt noch optimieren könnten.Wir sehen uns weltweit nach guten Beispielen dafür um.

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Am HWC ist man stets darum bemüht, sich weiterzuentwickeln.

Gegenwärtig könnten Vorbild für den nächsten Schritt das International House in Kopenhagen und das Konzept von www.acidi.net in Lissabon sein. Beide sind gegenüber dem HWC so organisiert, dass sie mit allen Leistungen komplett für alle Gruppen der Migration da sind – also auch der Notmigration – und außerdem auch Services unter einem Dach anbieten, an die wir hier gegenwärtig manchmal zu umständlich weiterlotsen müssen, wie beispielsweise die Arbeitsberatung oder die Wohnungsvermittlung. Weiterhin wird dort auch in den weiterführenden Serviceeinrichtungen mehrsprachige Betreuung angeboten.“