Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung für Flüchtlinge

Freyung-Grafenau. „Die Grenzen von Flüchtlingen wurden oft extrem verletzt. Wir können aber nichts gut machen, wenn wir als Gegenleistung nicht auf unsere Grenzen achten.“ Referentin Eva Freymadl ist Diplom-Pädagogin und Systemische Beraterin. Sie arbeitet unter anderem bei Pro Familia in Passau mit traumatisierten Menschen und wurde von der Volkshochschule Freyung-Grafenau eingeladen, um den Integrationspaten im Landkreis die Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung für Flüchtlinge aufzuzeigen.

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Referentin Eva Freymadl. Fotos: vhs

Der Vortrag gehört zur Qualifizierungsreihe des Integrationspatenprojekts, das die vhs derzeit im Rahmen des XENOS-Projekts „Integration und Vielfalt“ fördert. Die ehrenamtlichen Integrationspaten, deren Hauptaugenmerk auf die Sprachförderung liegt, sollen so für juristische, soziale und persönliche Aspekte im Umgang mit Flüchtlingen sensibilisiert werden.

“Unsere Grenzen sind meistens unsichtbar”

„Unsere Grenzen sind meistens unsichtbar“, betonte Freymadl, die selbst in der Flüchtlingsarbeit tätig war. „Nehmen wir mal kulturelle Aspekte: Jede Kultur hat ihre eigene Distanzzone. Hier in Deutschland gehört der Raum, den wir mit ausgestreckten Armen abdecken können, zu uns. Kommt jemand, den wir nicht oder nicht gut kennen, näher an uns heran, empfinden wir das als unangenehm.“

Und diese Grenze solle man auch deutlich zum Ausdruck bringen. Höflich, aber bestimmt. „Und wie mache ich das, ohne den anderen dabei zu verletzen?“, fragte eine der Teilnehmerinnen. „Sie können zum Beispiel sagen `Bei uns in Deutschland ist es üblich, dass man sich etwa auf Armeslänge voneinander entfernt unterhält, wenn man sich nicht so gut kennt`“, antwortete die Diplom-Pädagogin. Der Ton mache die Musik, so Freymadl weiter. „Mit einem charmant vorgebrachten `Nein` und einem eventuell freundlichen Gegenvorschlag werden Sie viel eher Freunde gewinnen, als mit einem säuerlich vorgebrachten `Ja`, das beim Gegenüber Schuldgefühle weckt, und das sich später vielleicht als unhaltbar erweist. Wenn Sie sich nicht freundlich und respektvoll abgrenzen, sondern es nur wischi-waschi tun, ist es keine richtige Grenze.“

“Was will und was kann ich leisten?”

e10Deswegen sei es auch unabdingbar, sich bereits vor der Arbeit mit Flüchtlingen Gedanken darüber zu machen: „Was will und was kann ich leisten?“ Denn befinde man sich erst einmal in einer Situation, die einem unangenehm und in der man sich nicht sicher sei, wie man reagieren soll, dann falle einem die Abgrenzung schwer, machte die Beraterin deutlich und führte als Beispiel an: „Stellen Sie sich vor, einer der Flüchtlinge bittet Sie um Geld für einen kranken Angehörigen in seinem Heimatland. Sie könnten mit 200 Euro dafür sorgen, dass der- oder diejenige lebensnotwendige Medikamente erhält. Sie werden feststellen, dass sich auf einmal viele Stimmen gleichzeitig in Ihrem Kopf melden: `Ich habe doch eh so viel und der andere nichts, da kann ich dem anderen ruhig etwas abgeben` oder `Es fühlt sich gut an, zu helfen´, aber auch: `Ich kann dem doch nicht einfach 200 Euro geben!´“ In der Zweierbeziehung zwischen den Helfern und den Flüchtlingen spiegele sich halt leider der ganze Wahnsinn dieser Welt.

Innere Klarheit sei daher das wichtigste für eine klare Kommunikation und eine konstruktive Beziehung. „Stellen Sie sich also die Frage: Unter welchen Bedingungen gebe ich jemandem mein Geld? Oder sagen Sie: Ich stecke gerne meine Energie und Zeit in den Sprachunterricht, aber darüber hinaus möchte ich keine Unterstützung anbieten.“ Zu einem eigenen Standpunkt könne man aber auch kommen, indem man sich sagt: „Ich entscheide von Fall zu Fall, ob ich jemandem Geld gebe.“

Wie man Traumata erkennen kann

Neben der Wahrung der eigenen Grenzen und der Akzeptanz der Grenzen des anderen, machte die Referentin die Integrationspaten auf Aspekte in der Zusammenarbeit mit traumatisierten Menschen aufmerksam. „Traumata kann man daran erkennen, dass der Betroffene sich zurückzieht, Schlaf- oder Angststörungen hat. Das wichtigste für Sie ist jedoch, zu unterscheiden, ob es sich gerade um ein akutes Trauma handelt oder um eines, das schon lange zurückliegt“, betonte Freymadl.

e18Bei einem akuten Trauma sei es für die Betroffenen wichtig und richtig, viel zu erzählen, weil sie sich dadurch vom Geschehen distanzieren könnten. Es reiche, zuzuhören und Verständnis zu zeigen. Handle es sich allerdings um ein Trauma, das schon vor langer Zeit zustande gekommen sei, müsse man unbedingt darauf achten, nicht nachzuhaken, um eine Retraumatisierung zu vermeiden. „Und wie merkt man, dass einer in einer Retraumatisierung steckt“, kam es von den Teilnehmerinnen. „So jemand wird von seinen Gefühlen überwältigt, die Gefühle und das Erlebte haben den Betroffenen unter Kontrolle. Deswegen müssen Sie ihm unmittelbar bewusst machen, dass er im Hier und Jetzt in Sicherheit ist“, erläuterte Freymadl.

“Wenn jemand seine Hilfe anbietet, sind dem, was er tun kann, immer Grenzen gesetzt”

„Sie müssen nicht total abblocken, sondern Sie können sagen: `Das ist jetzt vorbei! Schau, jetzt bist du hier!´ Oder Sie fragen, ob er oder sie etwas trinken möchte.´ Aber versuchen Sie auf keinen Fall, mehr zu erfahren, das würde es nur noch schlimmer machen.“ In der Traumatherapie sei man davon abgekommen, das Trauma mit dem Patienten immer wieder zu durchleben, erklärte die Pädagogin. Stattdessen konzentriere man sich darauf, im Kopf mehr Platz für schöne Dinge und Sicherheit zu schaffen, damit das Trauma daneben kleiner werde.

„Wenn jemand seine Hilfe anbietet, sind dem, was er tun kann, immer Grenzen gesetzt“, betonte Freymadl am Ende des Abends. Aber als sie vor über 20 Jahren in der Flüchtlingsarbeit tätig gewesen sei, sei die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung lange nicht so groß gewesen. „Und das stimmt mich schon sehr froh!“

Dike Attenbrunner

Das Forum Asyl Niederbayern

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Einige der Gründungsmitglieder beim Vernetzungstreffen Asyl am 12. September 2014 in Passau: MdL Rosi Steinberger (v.l.), Mia Pöltl, Hermann Schoyerer und Maria Kalin.

Niederbayern. In Niederbayern gibt es viele ehrenamtliche Helfer im Bereich der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Um diese besser miteinander zu vernetzen, regte der Bezirksvorstand der Grünen in Niederbayern deshalb vor kurzem ein eigenes Netzwerk an. So entstand das Forum Asyl Niederbayern (FAN).

Die Rechtsanwältin Maria Kalin aus Passau ist eine der Gründungsmitglieder und berichtet im vhs-Interview über die Möglichkeiten von FAN.

Bislang wenig Vernetzung

Frau Kalin, wie entstand die Idee mit dem Forum Asyl Niederbayern?

Der Bezirksvorstand der Grünen Niederbayern beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik. In Niederbayern gibt es eine große Vielzahl an ehrenamtlichen Helfern und Organisationen in diesem Bereich, aber leider wenig Vernetzung. So  wird oft die doppelte Arbeit geleistet. Und das, obwohl viele Helfende bereits an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeiten.

So entstand die  Idee, ein Forum zu schaffen, welches den Austausch und die Zusammenarbeit fördert.

Wer ist denn an der Entwicklung dieses Netzwerks beteiligt?

Im Augenblick Gruppen wie Diakonie-Aids-Beratung Passau, Asylcafe Passau, Grüne Niederbayern, Wirtschaftsforum Passau, viele Aktive aus Gruppen von Abensberg im Westen bis Salzweg im Osten.

Unabhängig von Politik und Nichtregierungsorganisationen

Wie ist FAN organisiert? Als loses Netzwerk, als gemeinnütziger Verein? Gibt es eine Art Vorstand? Und wie wird FAN finanziert?

FAN soll ein offenes Netzwerk sein, unabhängig von Politik und einzelnen Nichtregierungsorganisationen. So soll der ungehemmte Zugang und die vorurteilsfreie Nutzung möglichst Vielen ermöglicht werden.

Die Internetseite soll als Verknüpfungspunkt Herzstück sein und möglichst viele Gruppen und Ansprechpartner aufzeigen, auch aktuelle Termine zum Thema sollen übersichtlich dargestellt werden.

Wer kann alles mitmachen? Und an wen kann man sich wenden, wenn man Teil des Netzwerks werden möchte?

Das Netzwerk steht allen Aktiven offen, wer mitmachen möchte ist willkommen und kann sich unter der E-Mail-Adresse auf der Seite melden.

Gibt es schon eine Art Zeitplan, wie das Netzwerk künftig ausgebaut werden soll?

Wir treffen uns kontinuierlich und werden vor allem die Internetmöglichkeiten verbessern. Ziel soll immer eine überregionale -und auch überparteiliche- Austauschsituation sein: Schließlich sollte „das Rad sollte nicht in jedem Ort neu erfunden werden…“.

Frau Kalin, vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Dike Attenbrunner

“Eine Gesellschaft, die zeigt, dass man erwünscht ist”

Seit über drei Monaten ist Sebastian Gruber (CSU) Landrat in Freyung-Grafenau. Wie er zum Thema Integration steht und wie das Landratsamt mit der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen umgeht, darüber berichtet der 32-Jährige im vhs-Interview.

Porträt

Seit über drei Monaten der neue Landrat in Freyung-Grafenau: Sebastian Gruber (CSU)

Herr Gruber, was verstehen Sie unter Integration?

Darunter verstehe ich das Zusammenleben und Zusammenwachsen von Menschen verschiedener Herkunft in unserer Gesellschaft. Vor allen Dingen mit der Hilfestellung von Einheimischen. Wenn man versucht, verschiedene Kulturen in die eigene zu integrieren, dann ist das für mich gelebte Willkommenskultur.

Auch in Freyung-Grafenau werden Flüchtlinge seit kurzem dezentral untergebracht. Welche Erfahrungen hat das Landratsamt bislang gemacht?

Bei der Unterbringung haben wir bis jetzt fast ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht. Wenngleich man hinzufügen muss, dass das für die beteiligten Mitarbeiter im Landratsamt und den Bürgermeistern der Gemeinden sowie alle Ehrenamtlichen schon ein hoher Aufwand ist. Was sich als außerordentlich hilfreich erwiesen hat, waren Runde Tische. Da haben sich alle gemeinsam mit dem Thema auseinandergesetzt und so die Menschen vor Ort auf die Ankunft von Asylbewerbern vorbereitet.

Natürlich erhalten wir ab und an Briefe von besorgten Bürgern, die nach dem St- Florians-Prinzip zwar grundsätzlich Verständnis dafür haben, dass Flüchtlinge in Deutschland unterkommen, aber bitte nicht in ihrer unmittelbaren Nähe.

“Auf ehrenamtlicher Ebene tut sich sehr viel!”

Welche Vorteile hat denn die dezentrale Unterbringung? Und welche Nachteile?

Ein Vorteil ist, dass sich kleinere Wohneinheiten natürlich leichter umsetzen lassen. Und die Integration der Asylbewerber ist dadurch auch um einiges leichter. Der Nachteil ist, dass größere Einheiten wie die Gemeinschaftsunterkunft meist über mehr Angebote wie Freizeitgestaltung und Sprachunterricht verfügen.

In Eichstätt hat das Projekt „tun.starthilfe für Flüchtlinge im Landkreis Eichstätt gezeigt, wie Integration vom Bürger initiiert funktionieren kann. Wäre das auch etwas für unseren Landkreis?

Grundsätzlich: ja. Aber ich glaube, so etwas funktioniert nur, wenn die Initiative tatsächlich auch von den Bürgern kommt. Man sieht ja schon an den Unterstützerkreisen, die sich seit Beginn der dezentralen Unterbringung in einigen Gemeinden gebildet haben, dass sich auf ehrenamtlicher Ebene bereits sehr vieles getan hat. Es kann durchaus sein, dass sich diese kleineren Einheiten irgendwann zu einem übergreifenden Netzwerk zusammentun. Zu tun gibt es sicherlich etwas: Der Zustrom wird mit Ende dieses Jahres nicht einfach aufhören. Wir bekommen regelmäßig Prognoseschreiben über den Flüchtlingsstrom, der nach Deutschland kommt – und der wird kontinuierlich nach oben korrigiert.

“Die Bevölkerung in unserem Landkreis ist sehr hilfsbereit”

Angesichts des demografischen Wandels: Können wir nicht froh darüber sein, dass diese Menschen zu uns kommen?

Das alleine wird den Bevölkerungsrückgang sicherlich nicht aufhalten. Viele Asylbewerber dürfen ja nicht dauerhaft bleiben und müssen Deutschland wieder verlassen. Und diejenigen, die den Antrag auf Asyl bewilligt bekommen, ziehen meist in die größeren Städte weiter. Es mag sein, dass einige Menschen vereinzelt bleiben. Da sehe ich das größte Potenzial bei den afghanischen Ortskräften – ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr vor Ort in Afghanistan – die ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland bekommen haben. Die werden in erster Linie in Orten untergebracht, an denen sich auch Bundeswehrstandorte befinden. Und da haben wir mit unserer Kaserne sicherlich einen Standortvorteil.

Da könnte man erwidern: Wenn diese Menschen sowieso nur für kurze Zeit bei uns bleiben, warum sollten wir uns dann für sie verantwortlich fühlen?

Ich finde schon, dass sich das gehört. Diese Menschen haben oft unendliche Strapazen und viel Leid erfahren: Es ist also das Mindeste, dass wir sie herzlich aufnehmen und in unsere Gesellschaft integrieren. Darunter verstehe ich kein „Rundum-Sorglos-Paket“, aber wir sollten diesen Menschen die Hand reichen, sie zum Beispiel mal in den Sportverein mitnehmen oder beim Einkaufen helfen. Wenn wir in Urlaub fahren und die dortige Sprache nicht sprechen, sind wir doch auch froh, wenn uns jemand weiterhilft.

Das heißt auch Willkommenskultur für mich: Eine Gesellschaft, die signalisiert, dass man erwünscht ist und die einem im Rahmen des laufenden Asylverfahrens eine Perspektive bietet. Natürlich können wir keine goldene Zukunft versprechen, aber für einen gewissen Zeitraum können wir das ein oder andere zur Verfügung stellen. Und ich glaube schon, dass die Bevölkerung in unserem Landkreis da sehr hilfsbereit ist.

“Jeder Bürger sollte als Integrationsbeauftragter auftreten”

Die bayerische Staatsregierung hat seit kurzem für diese Belange einen eigenen Integrationsbeauftragten. Wer ist denn bei uns im Landkreis für Fragen rundum Integration zuständig?

Wir verfügen natürlich über die zuständigen Fachgebiete im Landratsamt, aber einen eigenen Mitarbeiter, der sich nur um Belange der Integration kümmert, haben wir nicht. Natürlich wäre das wünschenswert, aber ich glaube auch nicht, dass das unbedingt notwendig ist. Ich sehe eigentlich eher jeden einzelnen Bürger in der Pflicht, als Integrationsbeauftragter aufzutreten.  Zudem spielen ja auch Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Volkshochschule und Katholische Erwachsenenbildung  hier eine wichtige Rolle. Die bieten schon seit Jahren viele praktische Hilfen an.

Da zum Thema Integration nicht nur ausländische Mitbürger zählen: Wie sieht es denn mit der Integration von „Menschen mit Behinderung“ aus? Sind wir von einer Integration weit entfernt oder bewegen wir uns schon auf eine Inklusion zu? An wen kann man sich diesbezüglich bei Fragen wenden?

Beim Thema Inklusion habe ich den Eindruck, dass wir da in unserem Landkreis schon einiges im Bewusstsein der Menschen geändert haben. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es traditionell in Freyung-Grafenau sehr viele Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung gibt. Und viele Bürger haben in diesen Organisationen auch ihre Berufung gefunden. Außerdem gibt es zahlreiche Initiativen wie zum Beispiel Inklunet von Johannes Spitaler und Ossi Peterlik, die immer wieder auf Nöte und Wünsche von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen.

Und wir haben mit Petra Poxleitner, der Behindertenbeauftragten des Landkreises, eine sehr wertvolle Mitarbeiterin, die sich laufend und ausgesprochen kompetent um die Belange von Menschen mit Behinderungen kümmert. Frau Poxleitner nimmt beispielsweise an Baubesichtigungen teil und macht auf Barrierefreiheit aufmerksam. Und sie sorgt auch für eine überregionale Vernetzung möglicher Ansprechpartner.

Wie kann Integration gezielt gefördert werden? Sind derzeit im Landkreis konkrete Maßnahmen und Projekte geplant zum Thema Integration geplant?

Nein, von unserer Seite ist nichts geplant. Aber wir wirken als Partner bei vielen Unterstützernetzwerken vor Ort mit und bemühen uns, diese tatkräftig zu unterstützen.

Herr Gruber, vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Dike Attenbrunner

tun.starthilfe für Flüchtlinge im Landkreis Eichstätt

Eichstätt. Die Initiative “tun.starthilfe für flüchtlinge im Landkreis Eichstätt” sieht in der Sprache die Grundbedingung gesellschaftlicher Teilhabe und ermöglicht Flüchtlingen im Landkreis deshalb den Zugang zur deutschen Sprache. Wie das Projekt zustande kam und wer alles mitmachen kann, darüber haben wir uns mit Karolina Albrecht unterhalten.

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Weitere Infos gibt es auf der Homepage von “tun.starthilfe für flüchtlinge”: www.tun-starthilfe.de

Wer steckt hinter der Initiative von Live for Life e. V.? Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, diese Initiative zu gründen?

Live for Life e.V. wurde im März 2009 in Eichstätt mit einer simplen Idee gegründet: Die Welt verbessern als Schüler oder Student, sprich mit knappen Mitteln. Der Verein sollte eine Basis, eine Plattform für alle Gleichgesinnten werden, die im Austausch untereinander Benefizaktionen planen und durchführen wollen. Der Erlös daraus sollte einem gemeinsam gewählten Projekt zu Gute kommen. Die Tatsache, dass man seine Hobbys und Interessen, innerhalb eines Netzwerkes voller Gleichgesinnter, dazu verwenden kann anderen Menschen zu helfen, ist das was die Live for Life Idee auszeichnet. Man stellt diese Tätigkeit in einen Kontext, man baut ein Netzwerk auf, steht im Idealfall ständig in Kontakt und führt unentwegt neue Leute in diese Plattform ein.

Ein Teil von Live for Life e.V. ist die Initiative tun.starthilfe für flüchtlinge im landkreis eichstätt. Gegründet wurde die Initiative im Oktober 2012 von Deborah Foth, Christopher Knoll und Anna Peschke. Sie wurden durch den öffentlichen Diskurs, vor allem auch in der Lokalzeitung Donaukurier, auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Obereichstätt und damit auf die Flüchtlingsthematik aufmerksam. Durch den Kontakt zu den Sozialarbeitern der Caritas wurde relativ schnell klar, woran es fehlte: Deutschunterricht.

Der erste Kontakt mit Flüchtlingen kam über die Initiative in Pfünz, wo die ersten dezentral untergebrachten Flüchtlinge wohnten. Diese nahmen das Angebot gerne an. Und so wurde eine erste Deutschstunde im Studihaus der KU Eichstätt abgehalten. Durch Flyer an der Uni wurden auch andere Studenten auf die Initiative aufmerksam und engagierten sich als Deutschlehrer.

Durch infrastrukturelle Probleme kam allmählich die Idee, den Unterricht in die Ortschaften selbst zu verlegen. Das allerdings erforderte Strukturen und finanzielle Unterstützung. So kam auch die Idee mit Live for Life auf. Die Verbindung kam über Andreas Wurtinger zustande, dem Gründer von Live for Life e.V., denn mit tun.starthilfe ist es dem Verein nun möglich, ein örtliches Projekt zu unterstützen.

Daneben wurde tun.starthilfe als Arbeitskreis des Studentischen Konvents an der KU Eichstätt-Ingolstadt verankert und ist seit Oktober 2013 ein studentisches Freimodul im Rahmen von „EduCulture“.

Herzstück der Initiative ist der Deutschunterricht

Wie viele Freiwillige beteiligen sich denn mittlerweile an dieser Bürgerinitiative?

Zum Wintersemester 13/14 stieg die Zahl der Engagierten sprungartig auf 66 Modulteilnehmer und etwa 10 Freiwillige an. Dazu kam die zweiwöchige Frühlingssprachschule, innerhalb derer sich etwa 50 Helfer aus Eichstätt und den umliegenden Ortschaften und ehemalige Modulteilnehmer ehrenamtlich betätigten.

Durch viele Aktionen im letzten halben Jahr, konnte auch die Bekanntheit der Initiative stark erhöht werden, sodass in diesem Semester 98 Modulteilnehmer angemeldet sind. Dazu kommen etwa 50 Freiwillige, sowohl Studenten, wie auch Berufstätige, die bereits im letzten Semester mitgearbeitet haben oder durch die Frühlingsschule auf die Initiative aufmerksam wurden.

Welche Angebote gibt es?  

Das Herzstück der Initiative ist der Deutschunterricht. Einmal wöchentlich fährt ein zweiköpfiges Lehrerteam in „ihre“ Unterkunft und gibt Unterricht. An einem anderen Tag fahren dann zwei Mitglieder der individuellen Betreuer zu ihnen und unterstützen in den kleinen und großen Alltagsproblemen. Alle anderen Bereiche sind dazu da, den Lehrern die Arbeit zu erleichtern, sowie Finanzierung, Aufklärung aller Beteiligten und Hilfe zur Selbsthilfe zu sichern.

Darüber hinaus hat die Initiative den Anspruch, alle Beteiligten aufzuklären. Das heißt konkret: Informationsveranstaltungen für Flüchtlinge, Gemeinden/ Nachbarschaft, Landkreis, Institutionen und andere Initiativen, aber auch die Vernetzung untereinander, wie die Teilnahme an Ehrenamtstreffen usw.

In der vorlesungsfreien Zeit (März und August) findet außerdem eine zweiwöchige Sprachschule statt. Morgens mit Unterricht und Kinderprogramm und nachmittags mit gemeinsamen Aktivitäten, bei denen sich Helfer und Teilnehmer besser kennenlernen.

Und wie wird das Projekt finanziert?

Die Finanzierung des Projekts erfolgt in erster Linie durch Veranstaltungen und Events. Weder tun.starthilfe noch der Live for Life e.V. wollen ein reiner Spendenverein sein, sondern aktiv etwas tun, um die Finanzierung zu sichern. Das Konzept, durch Benefizveranstaltungen Geld für das Projekt zu verdienen, gab es von Beginn an. Beispielsweise durch Kuchenverkauf an der Uni, Parties oder Privatinitiativen.

Aber auch Eichstätter Firmen, Fachschaften oder Privatinitiativen unterstützen das Projekt.

“Engagement muss von innen kommen – dann ist man auch motiviert”

Die Helfer bekommen kein Geld, es werden keine festen Stellen installiert. Warum nicht?

Alle Helfer, egal ob Modulteilnehmer, Freiwillige oder Koordinationsteam arbeiten in erster Linie ehrenamtlich. Als Modulteilnehmer ist es aber möglich, sich einmalig ein Semester innerhalb der Initiative als Wahlfach anrechnen zu lassen. Die Deutschlehrer wie auch die individuellen Begleiter bekommen allerdings die Fahrtkosten in die Unterkünfte erstattet.

Der Grundgedanke ist der, dass Engagement von innen kommen muss. Wer sich selbst mit der Initiative identifizieren kann und freiwillig Verantwortung übernimmt, ist auch motiviert. Deshalb braucht es keine zusätzliche monetäre Motivation. Die große Anzahl der Teilnehmer bestätigt das.

Warum ist das Projekt Eurer Meinung nach so erfolgreich? Ist dieses Modell überall umsetzbar?

Das Projekt zeigt deutlich, dass sich Studenten gerne gesellschaftlich einbringen. Das geht ebenso über studentische Arbeitskreise oder Stiftungen, ist jedoch generell durch den straffen Zeitplan des Bologna-Systems schwierig umzusetzen. Einige sind hinsichtlich einer langfristigen Übernahme von Verantwortung skeptisch: Werde ich neben dem Studium genug Zeit haben? Was, wenn die Prüfungszeit anfängt? Kann jemand im Notfall für mich einspringen und was ist während der Semesterferien? tun.starthilfe ermöglicht als Wahlfach die Einbindung von sozialem Engagement in den Studienplan.

Die Hauptarbeit erfolgt während des Semesters und wird in den Ferien teilweise ausgesetzt. Der Erfolg liegt darin, dass die meisten (im letzten Semester 50 von 60) im kommenden Semester vollkommen ehrenamtlich weitermachen. Und das, weil sie die Möglichkeit erhalten haben, im Rahmen eines Wahlfachs die Arbeit kennenzulernen und festzustellen, dass ehrenamtliche Arbeit Mehrwert für alle Seiten besitzt und auch neben dem Studium möglich ist. Man hilft und kann gleichzeitig selbst vieles dazulernen.

Durch die Integration sowohl in Universität, wie auch Stadt und Landkreis, profitieren alle Seiten. Die Uni wächst in die Gesellschaft hinein und die in vielen Universitätsstädten übliche Einteilung von Bürgern und Studenten verschwimmt.

Derzeit wird daran gearbeitet, das Konzept der Initiative soweit zu dokumentieren, dass auch andere Universitäten auf diese Erfahrungen zurückgreifen können.

Wie kann man sich einbringen und wer kann denn alles mitmachen?

Mitmachen kann jeder. Egal ob Student, Berufstätiger, Schüler oder Rentner. Zur Auswahl stehen vier Bereiche:

1.Deutschunterricht:
Zweier-Teams unterrichten einmal wöchentlich bei den Leuten vor Ort für etwa eineinhalb Stunden. Lehrer können praktisch unbegrenzt teilnehmen, da der Unterricht auch mehrmals in der Woche stattfinden sollte. Neben einer Einführung in die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache, stehen den Deutschlehrern viele Materialien und Ansprechpartner zur Verfügung.

2. Individuelle Begleiter:
Sie fahren, ebenso wie die Deutschlehrer,einmal wöchentlich zu zweit in „ihre“ Unterkunft. Sie helfen beispielsweise bei der Übersetzung amtlicher Schreiben, Arztterminen oder Behördengängen, suchen nach Freizeitangeboten und sind die Schnittstelle zwischen der Initiative und den ehrenamtlichen Helfern vor Ort.

3.Organisation:
Dazu gehört die Finanzierung der Arbeit, ebenso wie die Organisation von Events und Informationsveranstaltungen. Darüber hinaus ist sie zuständig für die Vernetzung zwischen Initiative, Ehrenamtlichen außerhalb, Universität, Landkreis und Gemeinden. Aber auch die Organisation und Durchführung der Sprachschulen ist in die Organisation eingebunden.

4.Kommunikation:
Das Team ist zuständig für die interne und externe Kommunikation. Es betreut die offizielle Website, den monatlichen Newsletter, die Facebookseiten und Journalistenkontakte. Die Teammitglieder verfolgen außerdem die Berichterstattung über die Initiative.

Für mehr Toleranz in Freyung-Grafenau

Vhs zieht positive Bilanz über das XENOS-Projekt „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“

Freyung-Grafenau. „Wir haben einen Fachkräftemangel und dem ist langfristig gesehen nur mit einer erhöhten Zuwanderung insbesondere von qualifizierten Migranten beizukommen“, so vhs-Geschäftsführer Klaus Hippmann. Weil dadurch aber auch die Anforderungen an Toleranz und  Integration in unserer Gesellschaft steigen, hat die Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau in diesem Jahr das Projekt „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ gestartet.

Das Projekt soll benachteiligte Jugendliche nachhaltig unterstützen

Hermann Löffler von Aptar bei einem Ausflug mit den Teilnehmern des interkulturellen vhs-Workshops. Fotos: vhs

Das im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ geförderte Projekt soll unter anderem benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund beim Einstieg in den Arbeitsmarkt und bei der Integration in die Gesellschaft dauerhaft und nachhaltig unterstützen.

Dazu hat sich die vhs im vergangenen halben Jahr einiges einfallen lassen: Neben der Auftaktveranstaltung im Landratsamt, fand in Kooperation mit dem Jobcenter Freyung-Grafenau ein interkultureller Workshop in Waldkirchen statt. In dem achtwöchigen Kurs konnten die Teilnehmer mittels Bewerbungstrainings, Sprachkursen und Exkursionen nach Tschechien ihre sozialen und beruflichen Kompetenzen erweitern.

Wichtige Fähigkeiten, denn in einer globalisierten Welt haben alle – ganz egal wo sie arbeiten – mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun – sei es per E-Mail, am Telefon oder in der Zusammenarbeit mit Kollegen. Was viele aber nicht wissen oder nur unbewusst wahrnehmen, ist die Tatsache, dass die kulturelle Prägung auch unser Arbeitsverhalten bestimmt: Ein Deutscher denkt und handelt vielleicht anders als sein tschechischer Nachbar. Dadurch können schnell mal Missverständnisse und Fehler im Arbeitsprozess entstehen.

Projekte: Fotoausstellung, Porträts und ein Fachstellen-Netzwerk

Fotoausstellung “Flüchtlinge in ihrem Traumjob” in der Geschäftsstelle der vhs.

Das Projekt „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ soll die Gesellschaft aber auch über bestehende Missstände aufklären und aufzeigen, wie dagegen etwas unternommen werden kann. In der vhs-Geschäftsstelle fand deshalb im Herbst die Fotoausstellung „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“ statt. Marina Dölker vom Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge hatte dazu sechs Flüchtlinge porträtiert und interviewt, um aufzuzeigen, welche Wünsche und Hoffnungen diese in Bezug auf ihr neues Leben in Deutschland haben. Auch ein Interview mit Astrid Nave und Mathias Fiedler auf der projekteigenen Homepage www.grenzenlos-tolerant.de zu ihrem Dokumentarfilm „leben verboten“ zeigt das Leben und die Rechte von Flüchtlingen in Deutschland. Vielen Menschen ist die schwierige Situation von Flüchtlingen in Deutschland nämlich schlicht und ergreifend nicht bekannt, was auf die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit hinweist.

Für Migranten und Flüchtlinge ist es deshalb umso wichtiger, dass ihnen umfassend geholfen wird. Deshalb plant die vhs gemeinsam mit anderen Fachstellen im Landkreis das Netzwerk „Migration und Integration“, denn  Migrations- und Integrationsprozesse finden meist fachstellenübergreifend statt. Was liegt da also näher, als sich zu einem Netzwerk zusammenzuschließen und die Integration gemeinsam voranzutreiben?  In einem ersten Vernetzungstreffen der Fachstellen konnten dazu bereits erste Ideen angestoßen werden.

Auch für das nächste Jahr hat die vhs schon neue Projekte ins Visier gefasst, wie zum Beispiel einen Kurzfilmwettbewerb für Jugendliche, der im Frühling an den Landkreisschulen ausgerufen werden soll.

Fotoausstellung „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“

Grafenau. „In vielen Ländern und Regionen werden die Menschenrechte mit Füßen getreten und missachtet. Die Menschen, die aus diesen Ländern zu uns kommen, müssen glauben, dass wir auf der Insel der Glückseligkeit leben.“ Mit diesen Worten eröffnete vhs-Geschäftsführer Klaus Hippmann die Fotoausstellung „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“. Doch auch wenn bei uns in Deutschland alles möglich zu sein scheint, gilt das Gleiche noch lange nicht für die Asylsuchenden, die zu uns kommen.

Im Gespräch: Vhs-Geschäftsführer Klaus Hippmann (von links), Rechtsanwältin Petra Haubner, der ehemalige Geschäftsführer der vhs, Hans-Detlef Hameier, und Marina Dölker vom Passauer Bündnis.

Die Passauer Rechtsanwältin Petra Haubner erklärte warum: „Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren dürfen in Deutschland erst nach einem Jahr arbeiten gehen.“ Und selbst dann gilt: Sie werden gegenüber deutschen und aufenthaltsberechtigten Bürgern nachrangig behandelt. Erst wenn ein konkretes Angebot vorliegt, wird von den Behörden eine Genehmigung erteilt. Auch für anerkannte Flüchtlinge müssen erst einmal drei Jahre ins Land gehen, bis die Sache mit dem „Nachrang“ nicht mehr wirkt. Heißt konkret: Es kann bis zu vier Jahre dauern, bis diese arbeitswilligen, mehrsprachigen und teilweise (hoch-)qualifizierten Menschen in Bayern einen Job bekommen.

Viele Flüchtlinge wollen arbeiten, dürfen aber nicht

Und als wäre das nicht schon umständlich genug, kommen langwierige Verfahren bei Behörden,  abgelegene Gemeinschaftsunterkünfte und die sogenannte Residenzpflicht hinzu. „Die Residenzpflicht bedeutet, dass Asylsuchende in ihrer Freizügigkeit eingeschränkt sind“, so Haubner, „sie dürfen den Bezirk Niederbayern nicht verlassen.“ Wobei das immerhin ein Fortschritt gegenüber früher sei, denn da hätten die Flüchtlinge im Landkreis bleiben müssen …

Jane Williams aus Nigeria und Marina Dölker vom Passauer Bündnis vor dem Porträt von Jane.

Kein Wunder, dass viele die Lust an der Arbeitssuche verlieren würden, meinte Marina Dölker vom Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge. Dölker hat im Rahmen der Fotoausstellung sechs Flüchtlinge porträtiert und interviewt, um aufzuzeigen, welche Wünsche und Hoffnungen diese in Bezug auf ihr neues Leben in Deutschland haben. „Wir wollen mit dieser Fotoausstellung Vorurteilen entgegenwirken“, sagte Dölker. „Die Menschen, die bei uns Asyl suchen, wollen nicht „schmarotzen“. Viele Leute wissen schlicht und ergreifend nicht, dass sie arbeiten wollen, aber nicht dürfen.“

Jane Williams aus Nigeria: “Ich will mich integrieren, aber sie lassen mich nicht!”

So wie Jane Williams aus Nigeria, eine der porträtierten Flüchtlinge, die ebenfalls zur Eröffnung der Ausstellung gekommen war. Ihr sehnlichster Wunsch ist, Krankenschwester zu werden. Der Grund: Sie hat ihre Tochter während eines Beschneidungsrituals verloren, weil sie nicht wusste, wie man die Blutung stoppt – das Kind starb in ihren Armen. Daraufhin flüchtete sie 2010 mit ihren beiden jüngeren Töchtern und ihrem Sohn nach Bayern – um die Mädchen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

Die 28-jährige Williams will sich integrieren, will ein Teil von Deutschland sein, nur: „Sie lassen mich nicht!“ Das fange schon bei der Situation in den Gemeinschaftsunterkünften an. Die seien teilweise schwer zu ertragen: Den Flüchtlingen werde – unabhängig von ihrer Herkunft – ein gemeinsames Zimmer zugeteilt. „Die können sich zum Teil nicht mal verständigen“, berichtete sie empört. In ihrem Zimmer esse sie mit ihren Kindern auf dem Boden, weil kein Tisch hineinpasst. „Aber wie soll ich meinen Kindern Tischmanieren beibringen, wenn sie vom Boden essen müssen?“ Für Williams stand schnell fest: „Ich muss an dieser Situation etwas ändern!“

Jeder Flüchtling kommt mit einem Traum nach Deutschland

Aber es sei schon schwierig für sie, eine Wohnung zu finden, weil viele Vermieter Vorbehalte hätten: „Die glauben, dass ich die Miete nicht zahle.“ Jeder Flüchtling komme mit einem Traum nach Deutschland – und mit Fähigkeiten, die er einbringen möchte. „Wenn du die Leute aber nicht arbeiten lässt, wollen sie irgendwann nicht mehr“, appellierte Williams.

Nicht gerade ein Aushängeschild für die Integration in Deutschland, zumal die meisten Flüchtlinge dauerhaft in Deutschland bleiben würden – das könne man statistisch nachweisen, so Rechtsanwältin Haubner. Vhs-Geschäftsführer Hippmann betonte denn auch, dass wir unbedingt an einem angemessenen und würdigen Umgang gegenüber Flüchtlingen interessiert sein sollten, „denn selbst wenn diese unser Land wieder verlassen müssen, sind sie doch Botschafter unseres Landes, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren.“ Ausbildung müsse man deshalb an vorderster Front stellen. Ein notwendiger Deutsch-Sprachkurs wird Asylsuchenden übrigens  frühestens nach einem Jahr zur Verfügung gestellt…

Die Fotoausstellung „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“ wurde im Rahmen des XENOS-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“  und in Kooperation mit dem Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge organisiert. Sie kann noch bis zum 2. November zu den Geschäftszeiten der vhs besichtigt werden.

Fotoausstellung „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“

Der Traum der gehörlosen Faith Deme Akpe ist es, als Frisörin zu arbeiten. Foto: Passauer Bündnis

Grafenau. Am Montag, den 22. Oktober um 16 Uhr lädt  die Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau zur Fotoausstellung  „Flüchtlinge in ihrem Traumjob“ ein. Zu sehen sind großformatige Porträts, die einen Einblick in die Wünsche und Möglichkeiten von asylsuchenden Zuwanderern in Deutschland hinsichtlich beruflicher Ausbildung und Integration in die deutsche Arbeitswelt gewähren. Die Ausstellung wurde im Rahmen des XENOS-Projekts „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“  und in Kooperation mit dem Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge organisiert. Sie kann bis zum 2. November zu den Geschäftszeiten der vhs besichtigt werden. Zur Eröffnung werden ein Sprecher der Flüchtlinge und die Rechtsanwältin Petra Haubner aus Passau über die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Deutschland berichten. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Diskussion sowie zu Gesprächen bei einem Büfett.  Wer mehr erfahren möchte, kann die vhs unter der Telefonnummer 08552/96650 oder info@vhs-freyung-grafenau.de kontaktieren.