Interkulturelle Sensibilität in der Flüchtlingsarbeit

Freyung-Grafenau. Menschen werden von ihrer Herkunftskultur geprägt. Unterschiedliche Nationalitäten haben es deshalb nicht immer leicht miteinander. Was der eine gut meint, kann beim anderen durchaus als Beleidigung ankommen. Wie aber geht man „richtig“ mit anderen um? Was kann man sagen, und was besser nicht?

Im Rahmen der Qualifizierungsreihe des Integrationspatenprojekts, das die Volkshochschule des Landkreises Freyung-Grafenau derzeit im Rahmen des XENOS-Projekts „Integration und Vielfalt“ fördert, beschäftigten sich die ehrenamtlichen Integrationspaten dieses Mal daher mit der interkulturellen Sensibilität in der Flüchtlingsarbeit.

“Man kann nicht nicht kommunizieren”

verena hosbach

Referentin Verena Hosbach vom Verein “Gemeinsam leben und lernen in Europa”. Fotos: vhs

Dabei zur Seite standen ihnen der Passauer Imam M´hamed Aoulkadi und die Referentin Verena Hosbach vom Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa“. Anhand verschiedener Stationen verdeutlichte Hosbach den Teilnehmern, dass man nach dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick „nicht nicht kommunizieren kann“. Egal wie man sich verhalte, so die Referentin, „Körpersprache und Haltung signalisieren immer irgendetwas.“

Deutlich wurde das beispielsweise, als die Integrationspaten, die sich untereinander nicht kannten, einander in Kleingruppen mittels eines Fragebogens einschätzen mussten. Ohne Hintergrundwissen und nur auf Grund des Aussehens sollten sie unter anderem notieren, welche Musik ihr Gegenüber hört und was er am liebsten in seiner Freizeit macht.

„Wie fühlen Sie sich, wenn Sie nur auf Grund Ihres Aussehens eingeschätzt werden“, fragte Hosbach anschließend in die Runde. „Man verspürt den Druck, das richtigzustellen“, lautete eine der Antworten. „Ganz genau“, bestätigte die Referentin, die den Teilnehmern im Laufe des Abends klarmachte, wie sehr unsere Einschätzung von einem gewissen Schubladendenken bestimmt wird. „Das ist auch normal, weil unsere Welt so komplex ist, dass wir nicht anders können als sie zu vereinfachen.“ Es gehe allerdings darum, die jeweiligen Schubladen regelmäßig aufzumachen, sie zu entrümpeln und anschließend mit neuen Erfahrungen zu füllen.

Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe

Imam M'hamed Aoulkadi

Der Passauer Imam M’hamed Aoulkadi.

Dafür sorgte Imam Aoulkadi, der die Integrationspaten über den Umgang mit muslimischen Flüchtlingen informierte. Beim Thema „Begegnung mit Asylbewerbern“ gehe es um Mitmenschlichkeit, Verantwortung tragen für den Anderen und Nächstenliebe, so der Imam. Und um nichts anderes gehe es auch im Islam: „Im Islam führt der Weg zu Gott über unsere Mitmenschen. Im Islam ist der rechte Glaube nichts ohne das rechte Handeln, und das rechte Handeln ist nichts ohne den rechten Glauben.“ Eine sehr wichtige Aussage des Propheten Mohammed in diesem Zusammenhang laute: „Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist.“ Und ein nützlicher Mensch sei, wer bereit sei, Verantwortung zu übernehmen.

Islam bedeute, sich in Frieden Gott hinzugeben, erläuterte Aoulkadi. „Der Islam ist also eine Religion, die den Menschen Frieden bringen will.“ Im Koran, der ersten Quelle des Islams, erinnere Allah den Menschen außerdem daran, „dass die Abstammung aller Menschen dieselbe ist und dass Er uns geschaffen hat, um einander kennenzulernen, dass wir vor Ihm gleich sind. Er schaut nicht auf unsere Hautfarbe, Sprache oder unser Vermögen. Das einzige was zählt, ist unser Handeln und unsere Gottesfurcht.“

In der sogenannten Sunna, der zweiten Quelle des Islams, sei das gute Beispiel des Propheten Mohammed enthalten. „Alle Muslime sind darauf bedacht“, so der Imam, „sein Vorbild als Maßstab für das eigene Handeln zu nehmen.“ Daraus könne man auch praktische Handlungsanweisungen im Umgang mit muslimischen Flüchtlingen ableiten.

Dank für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit

„Die meisten Muslime legen Wert darauf, nur nach islamischen Richtlinien geschlachtetes Fleisch zu essen“, erklärte  Aoulkadi. Schweinefleisch sei ohnehin verboten. Wer bei einer Einladung zum Essen also auf Nummer sicher gehen wolle, könne zum Beispiel Fisch oder vegetarische Gerichte anbieten. Im Fastenmonat Ramadan (in diesem Jahr vom 17. Juni bis voraussichtlich 16. Juli 2015) werde nur zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung gegessen und getrunken. Für die Bewohner sei es deshalb wichtig, dass die Gemeinschaftsküche auch nachts zugänglich ist. Beim Pflichtgebet sei der Betende nicht ansprechbar und würde derjenige dieses auch nur im Notfall unterbrechen. Allerdings dauere das meist nur einige wenige Minuten.

In einer Fragerunde am Ende des Abends wurde noch rege über interkulturelle Stolperfallen diskutiert. Die beiden Referenten zeigten sich begeistert von der Wissbegierde der Integrationspaten. Aoulkadi bedankte sich denn auch für deren ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit: „Ich möchte Ihnen unseren Dank überbringen. Wir wissen Ihre Arbeit sehr zu schätzen.“

Dike Attenbrunner